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Manfred Dimper, Abteilungsleiter bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände

? Der Bundestag hat beschlossen, die Ladenöffnung zu verlängern. Wie bewerten Sie das?

Das ist ein großer Schritt nach vorn. Wir hätten gern mehr gehabt, aber das ist im Moment nicht drin.

? Wie hätten Sie's denn gern?

Wir hielten den Vorschlag des Münchner ifo-Instituts für vernünftig - Ladenschluß um 22 Uhr und zusätzlich »Nachtlizenzen«, was heißt, bei Bedarf noch längere Öffnungszeiten. Wir vermuten, daß diese Möglichkeit dann vor allem in Ostdeutschland genützt würde. Im übrigen betonen wir immer wieder die Freiwilligkeit. Der Geschäftsinhaber, der abends nicht öffnen will, öffnet sowieso weder bis 20 noch bis 22 Uhr

? Warum sind Sie denn so unbedingt für späteren Ladenschluß?

Es ist nicht einzusehen, daß sich in der Gesellschaft, im Wirtschaftsleben, in

alldem, was den Verbraucher direkt berührt, soviel verändert und ausgerechnet beim Ladenschluß nichts. Das hat doch auch was mit Lebensqualität zu tun. Die Argumente dagegen ziehen nicht mehr

Die jüngste Diskussion zeigt ja, daß beispielsweise von dem überholten Argument abgegangen wird, der Schutz der Arbeitnehmer werde gefährdet. Er ist durch andere Gesetze gesichert. Zudem verlangen Verbraucher und Händler mehr Handlungsfreiheit. Beide haben es in der Hand, wie sie die neuen Öffnungszeiten nutzen. Gegenwärtig zeigt der Donnerstagabend: Ein Teil der Händler macht auf, ein anderer verzichtet. Ein Teil öffnet schon ab sieben Uhr, andere erst ab neun Uhr, und manche nutzen den Donnerstag oder den langen Samstag nicht. Bestimmend ist, wie das Geschäft läuft. Man k'ann keinen zwingen.

? Ist es eine Sache der Gewöhnung?

Mit Sicherheit auch das. Die Diskussion zu dem neuerlichen 20-Uhr-Kompromiß haben wir vor dem Dienstleistungsabend auch schon gehört: Die Händler würden sich gegenseitig belauern, alle fühlten sich gezwungen, die Geschäfte offenzuhalten. Nicht so. Die Händler machen das, was sie für sinnvoll halten. Wenn die Beschäftigten alle Nein sagen, hat man das zu akzeptieren. Wenn das Geschäft das trägt, wird zusätzliches Personal eingestellt. Wir sagen also: Überlaßt die Ladenöffnung den Händlern und den Verbrauchern, wozu brauchen wir den Staat dazu? In einer wettbewerbsgeprägten Wirtschaftsordnung muß man nicht die Freiheit begründen, sondern die Einschränkung. Ich meine:

Wenn es heute das Gesetz nicht schon gäbe, es würde steher nicht eingeführt.

? Nun haben die Verbraucher nicht mehr Geld, um es auszugeben. Wer morgens kauft, kauft nicht abends.

Ja und nein. Wer ist für flexiblere Ladenöffnungszeiten? Es sind die Jüngeren und die höheren Einkommensgruppen. Dort wäre mehr zu holen. Immer, wenn sie einkaufen können, werden die Läden zugesperrt. Allerdings wird es keinen Riesenumsatzzuwachs geben, das wissen wir auch. Es geht auch nicht darum, ob die Leute insgesamt mehr ausgeben, sondern daß der Handel sich manche Mark, die in andere Bereiche floß, zurückholt.

? Das Ladenschlußgesetz wurde von der CDU als ordnungspolitischer Sündenfall bezeichnet. Sehen Sie das auch so?

Ja, und diese Meinung geht quer durch die Parteien, sogar bis in die Gewerkschaften.

? Müssen nun auch andere Bereiche abends länger dienstbereit sein?

Da haben Sie recht. Das war ja die Absicht des langen Donnerstags. Doch das hat nicht funktioniert, obwohl es au-ßer für den Handel kein behinderndes Gesetz gibt. Niemand hindert den Zahnarzt oder die Bank, abends oder samstags aufzumachen, wenn nicht gerade Tarifverträge dagegenstehen. Unsere Verbraucher-Beratungsstellen zum Beispiel haben sich damals den neuen Anforderungen angepaßt. Wir hoffen, daß wieder ein bißchen Bewegung in dieses Thema kommt. Die Behörden sollten anbieten und je nach Nutzung die Tür offenhalten. Fragen: Rosi Blaschke

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