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  • Politik
  • Der Mann, dem man den Namen stahl: Eine Staudte-Premiere nach über 50 Jahren

Kleiner Mann kämpft gegen seine Akte

Regale, Regale, Regale, raumhoch voller Akten, tief darunter ein kleiner Schreibtisch: Der Büroangestellte, exakt gekleidet und mit korrektem Mittelscheitel, holt sich einen »Vorgang«, indem er mit einer mechanischen Leiter die Regale rauf und runter saust. Die Bearbeitung der Akten dauert wesentlich länger - Wenn Sie alte Schwarzweiß-Filme und intelligente Satire mögen, sollten sie versuchen, sich diesen »uralten« Staudte-Film anzusehen!

»Der Mann, dem man den Namen stahl« hatte am 21. Juni mit mehr als 50jähriger Verspätung im Berliner Zeughaus Premiere. Im April 1944 begann Wolfgang Staudte mit den Dreharbeiten. Der Film wurde abgedreht, der Filmprüfstelle des Dritten Reiches zur Genehmigung vorgelegt, im Kino kam er nie an. Er war, so der Regisseur, im Frühjahr 1945 verboten worden und blieb zunächst verschollen.

Die Geschichte ist simpel: Der Angestellte Fridolin Biedermann (Axel von Ambesser) will in den Stand der Ehe treten. Gemeinsam mit der Liebsten (Ruth Lommel) bestellt er das Aufgebot und erfährt, daß er als Heiratsschwindler gesucht wird. Biedermann wird verhaftet, kurz darauf jedoch entlassen und kann den Kampf gegen die Akten aufnehmen. Der.scheint aussichtslos: Denn auch, als Biedermann den Heiratsschwindler (Hubert von Meyerinck) aufspürt und der Straffall gelöst ist, bleibt die Aktenlage kompliziert: Fridolin soll als »Neuzugang« bis zu seiner Volljährigkeit auf die Heiratserlaubnis warten. Keine Bange, er schafft es schneller Seine neue Liebe Marien (Gretl Schörg) war auf den Schwindler hereingefallen, sie ist den Akten nach seit langem mit Fridolin verheiratet...

Seinen Witz bezieht dieser Film aus genauer Beobachtung, trefflicher Persiflage und überraschenden Bildlösungen. Die vielen Gags haben nicht die Klamotte im Sinn, sondern bestätigen auch heute: »Bürokratien« ist sehr, sehr lebendig.

Es ist Zufall, daß der Streifen die Jahrzehnte überlebt hat. Die Rekonstruktion ist Dr. Holger Theuerkauf, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesfilmarchiv, zu danken. Im Staatlichen Filmarchiv der DDR fand er 56 Rollen Bild- und 23 Rollen Tonnegative in guter Qualität archiviert. Das vollständig abgemischte Tonnegativ wies eindeutig auf die Endfertigung hin, ein entsprechendes Bildnegativ hingegen blieb unauffindbar und mußte aus dem vorgefundenen Schnittmaterial rekonstruiert werden. Ein Jahr hat die Arbeit gedauert, die von der Friedrich-Murnau-Stiftung auch finanziell unterstützt wurde.

Eine aufwendige Arbeit, während derer die Authentizität allein anhand des vorhandenen Tonnegativs überprüft werden konnte. Theuerkauf und eine erfahrene Schnittmeisterin rekonstruierten nach Gehör, suchten nach klappenden Türen und herunterfallenden Pantoffeln. Inzwischen weisen allein acht verlängerte Standbilder darauf hin, daß für diese Tonstellen keine synchronen Bildklappen gefunden wurden. Der Laie dürfte Probleme haben, alle acht Standbilder aufzuspüren.

Glück braucht der Film weiterhin. Bislang sind nur Aufführungen im Berliner Filmkunsthaus Babylon im Juli sowie während der Babelsberger Staudte-Retrospektive im Herbst vorgesehen. Eigentlich schade, vielleicht überzeugt dieser zumindest 99prozentige Staudte den Transit-Filmverleih, Filmkunsttheatern eine Kopie anzubieten.

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