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Was mathematisch korrekt ist, hält unser Alltagsdenken nicht immer für vernünftig. Der Bielefelder Mathematikpädagoge Hans Werner Heymann nahm solche und ähnliche Widersprüche zwischen Alltag und Mathematik zum Anlaß, um über den gegenwärtigen Mathematikunterricht tiefer nachzudenken. Herausgekommen ist ein Buch (Allgemeinbildung und Mathematik, Beltz Verlag Weinheim/Basel 1996, 320 S., 44 DM), dessen Thesen bereits im Vorfeld der Publikation für heftige Kontroversen sorgten.

Im Grunde geht es darin um ein altbekanntes Problem. Schon meine Mutter hatte angesichts meiner Mathe-Schulhausaufgaben ihre Zweifel: »Mensch Junge, so'n Zeug brauchst du doch in deinem

ganzen Leben nicht mehr!« Nun, irgendwie stimmte das, denn vietes von dem »Zeug« habe ich tatsächlich nie gebraucht. Und auch in den schwierigen Wechselfällen des Lebens, in denen es mehr emotional-dialektisch als rationallogisch zuging, war mir die Mathematik keine rechte Hilfe. Irgendwie fühlte ich mich dann an Schöngeist Goethe erinnert: »Die Mathematik vermag kein Vorurteil wegzuheben, sie kann den Eigensinn nicht lindern, den Parteigeist nicht beschwichtigen, nichts von allem Sittlichen vermag sie.«

Trotzdem: Mathematik muß sein, daran besteht auch für Heymann kein Zweifel. Zu fragen bleibt nur, wieviel und vor allem welche Mathematik ein Schüler im ausgehenden 20. Jahrhunderts drauf haben sollte? So fordert Heymann, in den Grundkursen der gymnasialen Oberstufe

auf Differential- und Integralrechnung zu verzichten und dafür mehr Wert auf sozialwissenschaftliche Statistik zu legen. Tatsächlich werden heute viele Bundesbürger schamlos an der Nase herumgeführt, weil sie im Dickicht von statistischen Angaben und Prognosen rasch die Übersicht verlieren. »Fuhr vor einigen Jahren noch jeder zehnte Autofahrer zu schnell, so ist es mittlerweile >nur noch< jeder fünfte. Doch auch fünf Prozent sind zu viele «, klärte eine westdeutsche Zeitung 1991 ihre Leser auf.

Eine ganz andere Frage ist, ob die Einführung eines neuen Themas sogleich die Abschaffung eines alten zur Folge haben muß? »Fast alles, was über den Standardstoff der ersten sieben Schuljahre hinausgeht«, überspitzt Heymann, »darf, ohne daß sich die Betroffenen merklich Nachteile einhandelten, vergessen wer-

den.« Nur erschöpft sich der Mathematikunterricht nicht darin, dem Schüler fertige, lebenspraktische Denkschablonen zu liefern, wie er sofort hinzufügt.

Von Einstein stammt der Satz, daß jede Wissenschaft eine Verfeinerung des Alltagsdenken darstellt. Das trifft auch für die Mathematik zu. Zum einen ist sie die beste Schule des Umgangs mit abstrakten Ideen. Zum anderen ist die Mathematik ein wichtiger Bestandteil unserer hochtechnisierten Kultur Außerdem ist Mathematik ein vorzügliches interkulturelles Kommunikationsmittel, da sie kaum von sprachlichen und ideologischen Barrieren behindert wird.

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