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Bonner Klasse(n)

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 2 Min.

Als vor gut zwei Jahren aus Bonn Einzelheiten darüber bekannt wurden, mit welchen Trostpflästerchen Bedienstete bei ihrem Wechsel nach Berlin rechnen könnten, schrie noch die ganze Republik auf. Gestern stand im Bundestag ein »Dienstrechtliches Begleitgesetz« zur Abstimmung. Es unterschied sich kaum vom damaligen Referenten-Entwurf. Bis zu 180000 DM je Bediensteten an direkten Zuschüssen in die Familienkasse wären möglich. Inzwischen findet kaum noch jemand was dabei.

Doch Geld allein macht nicht glücklich. Will man sich Leute, vor allem gute, zumindest gutbezahlte, geneigt stimmen, muß man ihnen auch ein Umfeld bieten. Dazu gehören nicht zuletzt Schulen, die als gute akzeptiert werden. Denn nur Geld plus Bildung sichern, das weiß der gute beamtete Bonner Bildungsbürger, langfristig Familienbesitz und -einfluß.

Deren Sproß ist das schlichte Berliner Schulsystem nun nicht so einfach zuzumuten. Die CDU-Fraktion machte deshalb gerade einen Vorstoß, es zu verbessern:

Generell ginge das - man bedenke nur die Haushaltslage - natürlich nicht. Aber in jedem Bezirk wenigstens ein Gymnasium, das in klassischer Weise, wie in Alt-Ländern üblich, bereits mit der fünften statt mit der siebenten Klasse beginnt, müsse schon her Nur so würde Berlin »auch im Schulbe-

reich hauptstadtfähig«, hieß es.

Genau daran hat es Berlin, wo jährlich 10 000 Schulabgänger keine Lehrstelle finden, noch gefehlt. Daß der Vorschlag aus der CDU kommt, ist verständlich, entbehrt deshalb allerdings auch nicht einer besonderen Perfidie. Wenn man nämlich bedenkt, daß die Entwicklung des Berliner Schulwesens unter fünfjähriger Ägide der CDU u. a. dazu geführt hat, daß jüngst an einer Pankower Gesamtschule 40 Prozent der Schüler durchs Abitur fielen!

Da hilft wirklich nur noch eins: Gesamtschulen zu, Elite-Gymnasien auf. Und nach den Studiengebühren endlich auch mal die Wiedereinführung des gymnasialen Schulgeldes in die Debatte zu bringen. Für die Neuberliner aus Bonn wäre ja immer noch denkbar, daß das »Dienstrechtliche Begleitgesetz« mit einem Zuschuß eintritt.

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