Rechtes Mikrofongesicht

Der »unauffällige« Deutschlandfunk-Redakteur Bernd Kallina

  • Von Birgit Gärtner
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Bernd Kallina wird von seinen Kollegen als unauffälliger, intellektueller Typ beschrieben. Doch stille Wasser sind ja bekanntlich tief: in seiner Freizeit bewegt sich der konservative Deutschlandradio-Redakteur in tiefbraunen Gewässern. Die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft (SWG) in Hamburg wurde von Altfaschisten gegründet und ist bekannt für ihre einschlägige »Bildungsarbeit«. Als Referenten bei den meist gut besuchten Vorträgen fungieren bekannte Größen der alten und neuen Rechten, jüngst trat Bernd Kallina dort auf. Der arbeitet als Redakteur in der Abteilung Politik und Hintergrund des Kölner Hauses des Deutschlandradio. Kallina ist nicht zufällig unter die alten Kameraden geraten, sondern mischt seit Jahrzehnten in der rechten Szene mit. Zeit für ein paar Hintergrundinformationen über den Hintergrundredakteur des Deutschlandradio.
Laut Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IGDR) begann Bernd Kallina 1973 im Alter von 23 Jahren seine politische und berufliche Karriere als Pressereferent der Jugendorganisation der NPD, den Jungen Nationaldemokraten, später war er demzufolge zeitweise Funktionär der NPD. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Redakteur des Deutschlandradio publiziert Kallina u.a. in der Jungen Freiheit, der Deutschen Militärzeitschrift, etc. 1995 versuchte er öffentlich, Theodor Oberländer zu rehabilitieren, einen ehemaligen NSDAP-Funktionär, den selbst Konrad Adenauer (CDU) einen »tiefbraunen Herrn« nannte.
Dem IDGR zufolge ist Kallina Mitglied in der Münchner Burschenschaft Danubia, die innerhalb des Dachverbandes der »Deutschen Burschenschaften« zum rechten Rand gehört. Beispielsweise ist die schlagende Verbindung an der Organisation der Sommeruniversitäten der Jungen Freiheit beteiligt. Seit Mitte der 80er Jahre führt Danubia die »Bogenhauser Gespräche« durch, bei denen sich Größen der rechten Szene aus dem In- und Ausland als Referenten die Klinke in die Hand geben, u.a. Horst Mahler und Horst Rudolf Übelacker, als er noch Vorsitzender der NPD war.
Das Domizil der Danubia liegt in der Möhlstraße in Münchens noblem Villenviertel Bogenhausen. In den 30er Jahren war die Villa im Besitz der Familie Kaufmann, deren Besitz »arisiert«, sprich enteignet, wurde. Die Familie verübte gemeinsam Selbstmord, um der drohenden Deportation zu entgehen. 1957 erwarb die Burschenschaft Danubia die Villa als »Verbindungshaus«. Dort werden Treffen und Veranstaltungen abgehalten, wenn es sein muss auch schon mal brutale Nazischläger vor der Polizei versteckt.
Jüngst referierte Kallina auf Einladung der SWG in Hamburg zum Thema: »Information als Waffe - der Psychokrieg in unserem Land.« Gegründet wurde die Organisation von Faschisten, u.a. von Hugo Welles, der während des Spanischen Bürgerkriegs Mitglied der berüchtigten Legion Condor war und während des deutschen Faschismus im Propagandaministerium arbeitete. Den Angaben des Hamburger Verfassungsschutzes zufolge ist die SWG eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Konservativen und Rechtsextremisten. Viele der dort Beteiligten bewegen sich gefährlich nah am rechten Abgrund, andere sind schon einen Schritt weiter - dazu gehört offenbar auch Bernd Kallina. Im Kölner Funkhaus des Deutschlandradio sind dessen politischen Aktivitäten bekannt, im Kollegenkreis wird drüber geredet, aber dessen Freizeitbeschäftigung wird toleriert, denn alles ist ja »verfassungskonform«. Dessen politisches Umfeld sei »nicht appetitlich, aber nicht verboten«, erläuterte der Pressesprecher des Kölner Deutschlandradio, Helmut Bucholz, gegenüber dem ND. Kallina sei ein konservativer Mensch, aber eher ein unauffälliger, intellektueller Typ, so Bucholz: »Ich habe noch nie von ihm rechtsradikale Sprüche gehört«.

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