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Umkämpfte schwarze Bohnen

Dumping-Preise im Kaffeegeschäft schaden nicht nur Produzenten

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Supermarktketten stechen sich im Kampf um Dumping-Preise für Kaffee aus. Dabei ist die Nachfrage an Rohbohnen derzeit höher als das Angebot. Die Leidtragenden sind die Menschen in den Anbauländern

Aldi setzt wieder einmal Maßstäbe: Am Donnerstag senkte der Discounter deutschlandweit den Preis für das Pfund Röstkaffee der Hausmarke Markus Gold auf 1,99 Euro. Schon war von der Konkurrenz - in diesem Fall aus der Netto-Zentrale in Stavenhagen oder auch von Penny in Köln - zu hören, dass sie baldmöglichst auch wettbewerbsfähige Preise bieten werden. Vor einigen Wochen war das Pfund Kaffee bei Lidl und einigen SB-Kaufhäusern wie Wal Mart und Real bereits für weniger als zwei Euro zu bekommen. Zwischenzeitlich standen selbst die billigsten Sorten wieder bei 2,19 Euro (Aldi, Lidl, Real). Mit diesen immer noch niedrigen Beträgen kämpft der Handel um die Gunst der Kunden. Offensichtlich schließen viele Einkäufer vom Kaffee auf das gesamte Preisniveau eines Geschäftes. Diese Indikatorwirkung macht es Discountern und anderen Händlern schwer, die schwarzen Bohnen teurer zu verkaufen. Und Dumpingangebote schmälern die Gewinne. Zusätzlich in diese Richtung wirken anziehende Einkaufspreise im Großhandel. Selbst die Röster müssen tiefer in die Taschen greifen, da die weltweite Nachfrage zurzeit das Angebot übersteigt. Die internationale Kaffeeorganisation ICO in London registrierte für September mit 61,5 US-Cent pro englisches Pfund den höchsten Preis seit August 2000. Zwar strömt gerade die auf 40 bis 42 Millionen Sack à 60 Kilogramm geschätzte, in diesem Jahr leicht verzögerte brasilianische Ernte auf die Märkte. Auch mittelamerikanische Produzenten verkaufen aus ihren Beständen und vietnamesische Anbieter lockten mit Vorabverkäufen aus ihrer jetzt beginnenden Ernte. Befürchtet werden jedoch heftige Preissteigerungen aus spekulativen Gründen: Diese könnten dann eintreten, wenn Fondseigner sinkende Preise zu massiven Einkäufen nutzen. Aber nicht nur Rohkaffee ist ein beliebtes Spekulationsobjekt. Fette Gewinne ermöglichte seit 1994 auch Röstkaffee: Die Verkaufserlöse der Röster verdoppelten sich seit Anfang der 90er Jahre auf 70 Milliarden Dollar. Hingegen halbierten sich im gleichen Zeitraum die Erträge der Exportländer auf fünf bis sechs Milliarden Dollar. Das Überangebot ist vor allem auf die Ausweitung des brasilianischen Anbaus und den rasanten Aufstieg Vietnams zum zweitgrößten Erzeugerland zurückzuführen. Gemessen am Weltmarktpreis für Rohkaffee im August - 57 US-Dollar pro Sack - sind die zwei bis knapp vier Euro, die deutsche Verbraucher pro Pfund bezahlen, immer noch sehr wenig. Noch niedriger erscheint dieser Preis, wenn er zu den Anbaukosten von etwa 80 US-Dollar pro Sack in Relation gesetzt werden. Während sich die Verbraucher hierzulande wie auch in den USA oder Japan über die günstige Tasse Kaffee freuen, treibt der Preisverfall in den Anbauländern die Menschen zur Verzweiflung. Allein in Kolumbien gingen zwei Millionen Arbeitsplätze verloren, der ersatzweise Anbau von Koka stieg um 60 Prozent. Die weltweite Überproduktion geht nicht nur mit extremen Niedriglöhnen für die Bauern einher. Sie bewirkt auch einen Qualitätsverlust. Mit dem Preisrückgang wurde mechanisiertes und spätes Ernten immer mehr zur Norm. Zudem werden die Kaffeekirschen nicht mehr einzeln sondern in ganzen Büscheln gepflückt - und so reife mit unreifen Früchten vermischt. Auf dem größten Kaffee-Absatzmarkt Europas - in Deutschland erreichte 2003 der Verbrauch 9,1 Millionen Sack Kaffee - sank der Durchschnittskonsum pro Kopf auf 6,64 Kilogramm. In den 90er Jahren lag er bei 7,44 Kilogramm. Auch diese Tendenz hält Anbieter von Preissteigerungen ab. Aber gegenüber Anfang der 90er Jahre verdoppelte sich in Deutschland der Anteil geringerwertiger Robusta-Sorten auf knapp 30 Prozent. Beim Kaffeekauf spielen über den Endverbraucherpreis auch die Steuern eine Rolle: Zur Mehrwertsteuer von 7 Prozent kommen für löslichen Kaffee p...

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