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Schlitternd zur Selbstbestimmung

Mareike Mikat zeigt im Theater unterm Dach »Disneyland Forever« schnell und dynamisch

  • Von Robert Meyer
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Das Stück beginnt und endet mit dem Auftritt einer kleinen Zirkustruppe. Der Zirkus als Symbol für die letzte Bastion der Freiheit vor einem ewig währenden, süßlichen Disneyland. Im Theater unterm Dach inszeniert die junge Regisseurin Mareike Mikat, die dort bereits das Stück »Hundehotel« zeigte, »Disneyland Forever«. Ein Versuch der Auseinandersetzung mit Terrorismus. Die Aufführung besteht aus zwei Teilen. Im ersten, »Executor« (Text Adel Hakim), geht es um einen Jugendlichen, dessen Verhalten und Identität von Gruppenzugehörigkeit bestimmt wird. Er muss an einem sinnlosen Bürgerkrieg teilnehmen, ob er will oder nicht. Sven Dolinski gibt das authentisch wider. Gefühle, die er vermittelt, wirken so echt, als hätte er das alles erlebt. Er erzählt von sich und dem Clan, von Freuden, Emotionen und Problemen, wie er in Krisen hineinschlittert und wie das Trauma der Vergewaltigung seiner Freundin ihn zur Gewalt treibt. Dolinski spielt das aus sich heraus, setzt seinen Körper überzeugend als Instrument ein. In der Mitte der Bühne steht ein rechteckiger Kasten, der bis oben mit Paketen gefüllt ist. Das vermittelt das Bild eines Schutzwalls, einer Grenze - dahinter hat aller Spaß ein Ende. Auf die Pakete werden Filmsequenzen projiziert vom »Großen Versöhner«, einem fundamentalistischen Gott, der jeden Rest von Individualität zerstört. »Disneyland Forever« ist wie ein Videoclip inszeniert, schnell, dynamisch. Die Figuren könnten einem MTV-Spot entsprungen sein. Diese zweite Geschichte ist in einer utopischen Welt angesiedelt, steht in der Tradition der Cyberpunk-Romane. Der Paketwall wird von innen durchbrochen. Ein Mann (Andrej Kaminsky) kommt mit einem schwarzen Fähnchen heraus und redet über politischen Widerstand. Dahinter liegt ein anderer Mensch und träumt. Ein Großkonzern will sein Unbewusstes erforschen, um dem Mann einen geeigneten Platz zuzuweisen. Geweckt wird er von einer Frau (Sylvia Habermann), die ihm klarmacht, man werde ihm ein angenehmes, jedoch sinnentleertes Dasein bieten. Sie überredet ihn, auch für den Widerstand tätig zu werden. Eigentlich stimmt alles in der Inszenierung, es lässt sich allenfalls kritisieren, wie an das Thema Terrorismus und Gesellschaft herangegangen wird. Mikat entwirft Bilder, die etwas Konstruiertes haben. Das ist ein Versuch, eine Formel für das Thema zu finden. Inhaltlich lässt sich darüber streiten. So extrem zweigeteilte Welten wie in manchen utopischen Cyberpunk-Romanen sind Entwürfe, die nur bedingt etwas mit tatsächlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu tun haben. Denno...

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