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Unbehelligter Gang durch Schleusen

Sicherheitslücken an Zugängen des Flughafens Tempelhof aufgedeckt

  • Von Rainer Funke
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Jüngst offenkundig gewordene Lücken im Sicherheitssystem auf dem Flughafen Tempelhof sollen jetzt auch politisch bewertet werden. Am Montag wird sich der parlamentarische Innenausschuss mit dem Thema befassen. Die Aufsicht über Abläufe in der Haupthalle und den Hangars, auf Pisten und Abstellplätzen, folglich auch über die Sicherheit, hat die Flughafengesellschaft. Für sie wiederum ist der Verkehrssenat zuständig. Bekanntlich war am Dienstag ein 46-jähriger Mann binnen einer Stunde zweimal unbehelligt durch die Schleusen gekommen und über die Rollbahn spaziert. Bei Kontrollen hatte er eine Plastikkarte vorgezeigt, die ihn als Teilnehmer eines längst beendeten Fortbildungslehrganges auswies. Wie der Mann damit durchkommen konnte, bleibt ein Rätsel. Jedenfalls offiziell. Normalerweise muss man, um eines der Tore oder die Schleuse für Mitarbeiter zu passieren, einen speziellen Ausweis vorzeigen. Der ist mit Passbild und Magnetstreifen versehen. Ein Kontrollgerät muss die Karte akzeptieren. Auch sonst gelten die Sicherheitsvorkehrungen als hoch. Kaum vorstellbar, wenn anstelle jenes schlichten Fans des gemeinen Flugwesens ein geschulter Terrorist in den Sicherheitsbereich vorgedrungen wäre. Aus polizeilicher Sicht ist die Sachlage glasklar. Der Mann hat eine Anzeige für zweimaligen Hausfriedensbruch bekommen. Inzwischen sind die beiden beteiligten Bediensteten - ein Sicherheitsmann der Betreibergesellschaft und ein Mitarbeiter einer privaten Wachfirma - zeitweilig ihres Jobs enthoben worden. Die Flughafengesellschaft untersucht den mysteriösen Vorgang und seine Ursachen, hält sich aber bedeckt. Vermutlich wird ihre Analyse auf das übliche menschliche Versagen hinauslaufen. Einen solchen Hintergrund bestreitet man bei der Gewerkschaft der Polizei keineswegs. Landesvorsitzender Eberhard Schönberg weist darauf hin, dass private Unternehmen wie die Flughafengesellschaft und Wachfirmen sich an Kostengesichtspunkten orientieren müssen. Das würde »häufig dazu führen, dass Objektschutzmaßnahmen vernachlässigt oder nicht im nötigen Umfang sichergestellt werden«. Die Polizei setze demgegenüber Personal im Ergebnis von Sicherheitsanalysen ein. Dem müsse der Senat Rechnung tragen und unverzüglich Objektschützer ausbilden und einstellen. Momentan fehlten mehr als 200 Polizeiangestellte im Objektschutz. Die Sicherung der Flughäfen habe »angesichts der weiter zunehmenden terroristischen Bedrohung in Berlin eine herausragende Bedeutung«. Das Problem sei nur mit Polizei zu lösen, so Schönberg. Im Innensenat weist man darauf hin, dass Berlins Flughäfen den gleichen Sicherheitsstandards unterliegen wie andere deutsche Flughäfen auch, wie Sprecher Claus Guggenberger gestern sagte. Eine absolute Sicherheit könne allerdings nirgendwo garantiert werden, wo sich Menschen in Gebäuden oder unter offenem Himmel versammeln. Zu den so genannten weichen Zielen für Terroristen zählten solche zivilen Einrichtungen wie U-Bahnen, Weihnachtsmärkte und eben auch Flughäfen. Deshalb unterliegen sie auch einer ständigen Gefahrenbewertung. Ob Schlüsse im Falle Tempelhof zu ziehen sin...

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