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Dreckig rein und rein raus

Neue Großfilteranlage für Regenwasser in Biesdorf in Betrieb/Zehn weitere geplant

Kurz nach elf Uhr sprudelte die dunkle Brühe gestern in die beiden kleinen Klärbecken, danach flutete sie die zwei jeweils 8000 Quadratmeter großen Bodenfilter - Start für Deutschlands größte derartige Anlage zur Reinigung von Regenwasser in Biesdorf-Süd. Christian Thomasius von den Berliner Wasserbetrieben sieht sein Unternehmen damit als »Schrittmacher« im Lande, und Marzahn-Hellersdorfs Umweltstadtrat Heinrich Niemann (PDS) würdigte das Filterwerk als »großen Schritt zur Verbesserung des Gesundheits- und Umweltschutzes«. Und das nicht nur für Marzahn-Hellersdorf. Wird die Wuhle sauberer, wirkt sich das natürlich auch auf Spree und Havel aus. Die neue Anlage direkt neben dem Biesdorfer Baggersee säubert die Regenabflüsse aus einem 600 Hektar großen Areal, zu dem u.a. das Gewerbegebiet Märkische Allee und Flächen entlang der Bundesstraße B1/5 gehören. Dieses Gebiet ist in den vergangenen Jahren immer dichter bebaut worden, wodurch immer stärker belastetes Regenwasser in den Biesdorfer Baggersee floss und von dort in die Wuhle. »Das Regenwasser hat inzwischen Abwasserqualität«, verdeutlichte Dietrich Jahn von der Senatsumweltverwaltung das Problem zunehmender Versiegelung der Flächen. Ein Drittel der Phosphorbelastung stamme inzwischen aus Niederschlägen, gegenüber wenigen Prozentpunkten in der Vergangenheit. 38 Tonnen Phosphorverunreinigungen kämen so im Jahr in ganz Berlin zusammen. Eine Tonne davon soll jetzt durch die Biesdorfer Anlage wieder herausgefiltert werden. Dazu fließt das in Kanälen gesammelte Regenwasser - maximal 2500 Liter pro Sekunde - zunächst in die beiden Klärbecken, in denen sich Sand und andere grobe Schmutzstoffe absetzen. In der riesigen Bodenfilteranlage dahinter wird dann auch biologisch gereinigt. Auf einer etwa einen Meter dicken Schicht aus Carbonat und Roheisenschlacke werden die Verunreinigungen gebunden. Darüber wächst Schilf, das dem Wasser weitere Nährstoffe entzieht und den Boden locker hält. 94 Prozent der so genannten abfiltrierbaren Stoffe und knapp 80 Prozent des Phosphors können so gebunden werden, haben die Wasserbetriebe ausgerechnet. Knapp elf Millionen Euro hat die Anlage gekostet, 84 Prozent spendierte die EU aus ihrem Umweltentlastungsprogramm. Insgesamt zehn dieser Anlagen planen die Wasserbetriebe, u.a. am Halensee, in Blankenburg und entlang der Teltowkanal-Autobahn A13. In der Wissenschaftsstadt Adlershof steht eine kurz vor ihrer Vollendung. Bis 2015 soll das Spree-Havel-Flusssystem den Kriterien einer guten ökologischen Gewässerqualität genügen, so wie bisher nur der Tegeler See. Auch wenn er jetzt sauberer wird - für den Baggersee kann Umweltstadtrat Niemann auch weiterhin nur das Sonnenbaden empfehlen. Im nächsten Jahr sollen die Flächen rings um den See gestaltet werden, als naturnahe Parkanlage einschließlich Liegewiese.

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