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Spielzeug mit gutem Gewissen verschenken

Konsumkampagne gestartet/Prüfsiegel für Waren nicht in Sicht

Unter dem Weihnachtsbaum liegen oft Spielsachen - oft hergestellt unter menschenunwürdigen Bedingungen, doch das weiß kaum jemand. Deshalb startete Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) gestern in Berlin die Aufklärungskampagne »Echt gerecht - clever kaufen«.
Vor der Shoppingmeile am Potsdamer Platz genau am Nikolaustag sollten die Verbraucher wach gerüttelt werden. Kinder werden zu den Festtagen reich beschenkt, doch zu welchem Preis? Meist zu einem niedrigen, denn Teddys, Puppen und Co. werden oftmals unter unmenschlichen Bedingungen in China hergestellt. Täglich 14 Stunden Arbeit auch am Wochenende für einen Monatslohn von 50 bis 100 Euro, schlecht belüftete Arbeitsräume, keine medizinische Versorgung, Kinder- und Zwangsarbeit. »Dürfen andere Menschen dafür leiden, dass wir hier Kinderaugen zum Leuchten bringen?«, fragte Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Sie mahnte, dass jede unserer Kaufentscheidungen - ob bei Möbeln, Spielzeug oder Lebensmitteln - auch das Leben der Menschen in anderen Ländern beeinflusse. Damit der Kunde besser und »nachhaltiger« entscheiden kann, startete das Bundesministerium für Verbraucherschutz die Kampagne »Echt Gerecht - clever kaufen«. Dabei geht es auch um die Bereiche Lebensmittel, Reisen, Energie und Wohnen. Unter dem Motto »Augen auf beim Spielzeugkauf« soll insbesondere auf verträglich hergestellte Spielwaren hingewiesen werden. Das Problem: Auch wenn der Kunde im Kaufhaus die Augen nachhaltig orientiert aufmacht; wird er keinen Hinweis zur Produktionsweise finden. Er muss sich entweder im Internet informieren oder im Handel fragen. Bisher gibt es nämlich noch kein adäquates Gütesiegel. 1999 begann die Aktion »fair spielt«. Verschiedene Organisationen, darunter »Misereor« oder »fair toys«, setzen sich hierbei für die Menschenrechte und grundlegende Standards bei den Arbeitsbedingungen ein. Sie fordern, dass sich Spielzeughändler und- hersteller dem ICTI-Kodex (International Council of Toy Industries) unterwerfen. Diesen Verhaltenskodex führte der internationale Spielwarenverband vor fünf Jahren ein. In Deutschland selbst werden nur noch 30Prozent aller angebotenen Spielzeuge hergestellt. Über die Hälfte der Waren in den Regalen kommt aus China; hauptsächlich Puppen, Plüschtiere und Gesellschaftsspiele. China gilt als weltgrößter Spielzeughersteller, US-Unternehmen wie Mattel und Hasbro oder deutsche Firmen wie Ravensburger und Zapf lassen in Fernost produzieren. Doch von den rund 9000 Spielwarenproduzenten in China mit drei Millionen Mitarbeitern haben sich laut Künast nur 200 zu einer Kontrolle der Arbeitsbedingungen bereit erklärt. Listen der Unternehmen, die sich verpflichtet haben, ihre Lieferanten auf die Einhaltung des Kodexes hin zu prüfen, sind auf der Homepage von »fair spielt« zu finden. Wer hat die aber beim hektischen Weihnachtseinkauf im Kopf? Eine Kennzeichnung der Ware ähnlich wie bei Lebensmitteln muss her. Deshalb fordert Renate Künast eine klare Kennzeichnung von Spielzeugen. Doch sie musste einräumen, dass es ein solches Siegel in absehbarer Zeit nicht geben werde. Noch beteiligen sich zu wenige Unternehmen an der »fair spielt«-Aktion. Auch die Frage der Kontrollierbarkeit sei ungeklärt. Aber Renate Künast freue sich, »mit der Kampagne einen Anfang machen zu können«. Seit ihrem Besuch einer Spielzeugfabrik in China vor sechs Wochen habe sie »endgültig verstanden, dass etwas getan werden muss«. Informationen unter www.echtgerecht. de sowie www.fair-spielt.de

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