Typisch deutsch?

»Nibelungen« in München: Jubel

  • Von Barbara Reitter
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
Was ist so spannend an den »Nibelungen«, dass sie zum deutschen Nationalmythos avancierten? Wagners Bayreuth, die Festspiele in Worms und zuletzt der Fantasy-Zweiteiler auf SAT.1 zeugen von ungebrochenem Interesse an diesem Stoff. Es muss das zutiefst Deutsche sein - oder die Suche nach deutschen Tugenden und Untugenden, die in der Lust am Untergang gipfeln. Auch Regisseur Andreas Kriegenburg (Jahrgang 1963) spürt diesen Fragen in seiner sechsstündigen Münchner Kammerspiel-Inszenierung der Hebbel-Tragödie nach. Er kürzte und dekonstruierte das mythologische Gewabere des Mammuttextes, versetzte es mit modernen Stilelementen und baute aus diesem Steinbruch eine in den beiden ersten Teilen unglaublich spannungsvolle Aufführung, die nur im letzten Akt, dem finalen Showdown der Auslöschung, absackte. Intelligent, nie aufdringlich gesetzt die Zeitbezüge, die von einer knappen Hitler-Parodie, ein paar Comedy- Stand-Up-Einlagen bis zu kollektiver Sportbegeisterung und kühlem Politiker-Pragmatismus reichen. Grandios der Beginn: Da betreten 17 Siegfried-Klone - ein Mann, ein Volk - die Bühne, um chronisch markige Sprüche loszulassen. Der totale Krieg, dargestellt als sportiver Wettkampf, in dem »nicht der Sieg, sondern der Kampf zählt«. Glänzend wird Fremdheit an Brunhild deutlich: Wenn sie zunächst zu Hause, äußerlich wie Sängerin Björk nur isländisch kommuniziert, am Hof verschnürt als Paket ankommt und dort nach Siegfrieds Überwindung zur blonden Germanin gemacht wird, so ist sinnlich ein ganzes Schicksal visualisiert. Stimmiger Musikeinsatz durch Spielmann Volker, der als DJ alle Genres zwischen Kunstlied, Wagner, Pop und Schlager bedient, schafft Atmosphäre, transportiert Emotionen und illustriert die Szenen in der martialischen Burgunderburg mit ihren Felswänden (Bühne: ebenfalls Kriegenburg). Gelungen auch die Mischung aus Hebbels hochgestimmtem Jambenton und den sprachlichen, manchmal allzu saloppen Modernismen. Hinreißend die Darsteller - allen voran Hildegard Schmahl, Julia Jentsch und Wiebke Puls sowie Hans Kremer - in diesem Beziehungsdrama um Betrug und Verrat, Scham, Stolz und gnadenlose Rache aus dem Bewusstsein, dass weder ethische Grundwerte noch politische Ordnungssys...

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