Nach SEK, Kameras kamen Terrortouristen

Islamistenhysterie zeigt Spuren/Arabische Berliner sind verunsichert

  • Von Peter Kirschey
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
48 Stunden später ist alles wieder so, als wäre nichts geschehen. Die Moabiter Zwinglistraße schläft ihren Winterschlaf. Keine Auffälligkeiten, keine ungewöhnlichen Markenzeichen. Hin und wieder kommen Straßenpassanten, bleiben vor dem Balkon im Erdgeschoss stehen, starren auf die Strohmatte vor dem Fenster und den zwei Satellitenschüsseln oder suchen am Eingang die Namensliste ab. Sonst erinnert nichts mehr an die dramatischen Augenblicke vom vergangenen Sonnabend, als gegen 9 Uhr ein SEK-Trupp die Wohnung im Erdgeschoss aufsprengte, hineinstürmte und Mohamed F. verhaftete, Frau und die vier Kinder im Chaos zurückließ. Die Beamten haben ganze Arbeit geleistet und jeden Quadratzentimeter von unten nach oben geschaufelt. Der Libanese geriet ins Visier der Staatsschützer, weil er einen kennt, der verdächtigt wird, einen Anschlag auf den irakischen Ministerpräsidenten bei seinem Besuch in Berlin geplant zu haben. Das Kommando durchsuchte seine Wohnung, nahm ihn ins Verhör - und ließ ihn wieder frei. Kein dringender Tatverdacht, sagt die Generalbundesanwaltschaft. Nach der bewaffneten Staatsmacht folgten die Kamerateams. Sie hockten in den Hausfluren, belagerten die gegenüberliegende Straßenseite, fragten die Vorbeigehenden aus. Am Sonntag kamen die Terrortouristen, einzeln und in Gruppen - Mohamed F. war gerade freigelassen worden. Alle hofften sie, vom Hauch des Grauens etwas abzubekommen. Mohamed F., seine Frau und die Kinder haben am Montag ihre Wohnung verlassen. Sie wollen endlich ihre Ruhe haben, sagt eine Nachbarin. In dem Kiez zwischen Alt Moabit und Turmstraße möchte niemand seinen Namen sagen. Nur nicht im Zusammenhang mit Terrorismus genannt werden, sonst gerät man selbst noch in den Kreis von Verdächtigen. Die Unsicherheit ist groß. Der Familie F. bescheinigen die Kiez-Bewohner Freundlichkeit und Unauffälligkeit. Aber macht das den Mann nicht gerade verdächtig? Rashid B., auch Libanese und Moslem, ist Obsthändler auf der Turmstraße. Jeder Dritte hier im Kiez ist Araber oder Türke. Der Polizeieinsatz vom Sonnabend ist das Thema im Laden. »Wir haben Angst«, sagt er, »jeder kann in den Verdacht geraten, Terrorist zu sein. Ein Telefonat, eine Denunziation und schon ist man verdächtig.« »Was hilft es da, wenn man unschuldig ist«, meint Kunde Ishan. »Kein Unternehmer wird jemanden beschäftigen, der einmal in Verdacht geraten ist.« Keine Stellungnahme von der Berliner Polizei, keine Stellungnahme von der Berliner Innenbehörde. Sie verweisen auf die Generalbundesanwaltschaft. Dort verweist man auf die laufenden Ermittlungen, weshalb man keine Auskünfte geben könne. Beweise gibt es bisher nicht. Doch in den meisten Medien ist schon alles klar. Da wird von einem »verhinderten Attentat«, von »Molotowcocktails« und »Brandbomben« gesprochen, von der »tödlichen Gefahr, die nun auch Berlin erreicht hat«. Konkrete Hinweise auf ein Attentat gab es nach den bisher bekannt gewordenen Fakten nicht. Noch in Erinnerung ist der SEK-Einsatz vom 23. April letzten Jahres, als ein schwerbewaffnetes Kommando die Wohnung eines kriminellen Gewalttäters in ähnlicher Weise stürmte und dabei ein Beamter von dem Täter mit einem Pistolenschuss getötet wurde. In den Räumen befanden sich 13 Personen - Kinder, Eltern, Sozialarbeiter. Eine etwas unspektakulärere Gefangennahme hätte den tragischen A...

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