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  • Frauen-Geschichte(n)

Doris von Schönthan

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.
Sie gehörte zu den schillerndsten Figuren der Berliner Künstlerszene vor 1933 und ist nahezu vergessen. Doch wer sich auf Spurensuche begibt, erkennt bald, dass sie mehr war als ein Glitzergirl der Boheme. 1905 als Maria-Dorothea Ehemann in Worms geboren, kam sie als frühe Waise in das Berliner Haus des Lustspielautors Franz von Schönthan, dessen Bestseller »Der Raub der Sabinerinnen« noch heute auf den Spielplänen der Theater steht. Nach ersten Erfolgen als Hutmodell folgten weitere als Werbetexterin, Journalistin und Fotografin. Sie schien für die Goldenen Zwanziger wie geschaffen. Die Schriftstellerin Grete Weil bezeichnete Doris von Schönthan in einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung als »Cherubin«. Der Schriftsteller Franz Hessel verliebte sich bis über beide Ohren in sie und machte dies auch öffentlich - in seinen »Doris-Texten«, moderne Minne. Für Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann, wurde sie Gefährtin seiner »Grenzgänge zwischen Selbsterfahrung und Selbstzerstörung«, wie er seinem Tagebuch anvertraute: »Großer Abend mit Doris. Auf der Suche nach Kokain. Mit Transvestiten Taxi in die City... Endlich das Zeug. Zu Doris. Genommen.« 1933 verteilte Doris von Schönthan mit Friedrich Wolf und Elisabeth Hauptmann antifaschistische Schriften und versteckte Verfolgte in ihrer Wohnung in der Reichshauptstadt, u.a. den prominenten Hitlergegner Rudolf Olden. Als sie sich weigerte, im braunen Sinne zu texten, blieb nur noch die Flucht ins Exil. In Paris lernte sie Bruno von Salomon kennen. Sie heirateten und engagierten sich in der Volksfrontarbeit. Bei Kriegsausbruch zeitweilig interniert, schlossen sie später der Resistance an. Nach dem Krieg kümmerte sich Doris 1948/49 in Cannes um Klaus Mann, lieh ihm Geld und riet zu einer Entziehungskur, um seiner Kokainabhängigkeit zu entkommen. Dessen Freitod, über den sie Thomas Mann per Brief informierte, konnte jedoch auch sie nicht verhindern. Nach der Rückkehr nach Deutschland 1952 begann der erfolglose Kampf um Wiedergutmachung. Die bundesdeutsche Demokratie verweigert sich. Nach dem Tod ihres Mannes sowie einem Suizidversuch vereinsamt und verelendet Doris zunehmend, landet schließlich in der Obdachlosigkeit. Als sie - vor Hunger fast sterbend - in einer Berliner Kneipe ein Sülzkotelett bestellt hatte und nicht bezahlen konnte, kam sie in U-Haft. Anschließend flüchtete die einstige Dichtermuse zurück nach Paris, wo sie 1961 an einem Gehirnschlag verstarb.

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