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Dameopfer

Uwe Kranz 50,

vom Dienst suspendierter Thüringer LKA-Präsident, stolperte über einen vorbestraften Ermittler und Verstrickungen von Polizei und Rotlicht-Szene

Foto: ZB

Am Erfurter Landgericht läuft derzeit ein Prozeß gegen einen Russen und zwei Ukrainer. Sie sind angeklagt, einen türkischen Zuhälter erschossen zu haben. Der Prozeß sollte eigentlich einen Triumph von Polizei und Justiz über die

»Russenmaffia« im Freistaat markieren. Inzwischen kostete er den dritten Thüringer Polizeibeamten die Stellung. Innenminister Richard Dewes hat gegen den Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Uwe Kranz, disziplinarische Vorermittlungen eingeleitet.

Zuvor waren bereits Kranz' Stellvertreter und der mit der Aufklärung des Mordes befaßte Chefermittler Ulrich Sporkmann gefeuert worden. Der Ex-Polizist aus Niedersachsen, der zwischenzeitlich als Friseur gearbeitet hatte, konnte trotz einer Vorstrafe wegen Steuerhinterziehung im Thüringer LKA Karriere machen. Im Prozeß wurde er von Zeugen der Kungelei mit Zuhältern bezichtigt und von Kranz wegen eklatanter Ermittlungspannen entlassen.

Dewes versuchte, die Affäre mit der Unglaubwürdigkeit der Zeugen herunterzuspielen, geriet aber zunehmend unter Druck. Zur allgemeinen Überraschung feuerte er dann den zweiten Mann im LKA. In Erfurt wurde vom Bauernopfer gesprochen, dem nun das Dameopfer in Gestalt des Chefs folgte. Der Pfälzer Kranz hat sich vom Streifen-

polizisten über die Verkehrspolizei und diverse Leitungsaufgaben sowie den Besuch der Polizei-Führungsakademie Schritt für Schritt emporgedient. Er gehörte zu den Aktivisten der ersten Stunde beim Aufbau der Thüringer Polizei nach Westvorbild. Im November 1991 übernahm er die leitung des Landeskriminalamtes. Unter der Regie des als ehrgeizig geltenden Kriminalisten wurde die Behörde mit der modernsten Technik ausgestattet. Zugleich bemühte er sich um die Kriminalitäts- und Drogenprävention. Sein Führungsstil wird unterschiedlich bewertet. Während die einen sagen, er habe zu viele Aufgaben ins LKA gezogen, empfinden andere Mitarbeiter seine Suspendierung als persönliche Demütigung. Eine von Dewes eingesetzte BundVLänder-Arbeitsgruppe hat Vorschläge zu organisatorischen Veränderungen im LKA vorgelegt, die im Kern darauf zielen, die Kompetenzen der Behörde zugunsten der Polizeidirektionen einzuschränken. Es könnte sich aber schnell herausstellen, daß mit einer dezentralisierten Aufklärung der organisierten Kriminalität kaum beizukommen ist. Peter Liebers

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