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Erst mit 82 Jahren zog sie den weißen Kittel aus

Die Ärztin Dr. Ursula Sellschopp wurde Ehrenbürgerin von Frankfurt (Oder) Von Henry-Martin Klemt

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Foto: Klemt

Die 82jährige Arztin Dr. Ursula Sellschopp wurde am Wochenende Ehrenbürgerin von Frankfurt (Oder). Erst im Frühjahr diesen Jahres hatte sie ihre Praxis aufgegeben.

20 000 Frankfurtern hat Dr. Ursula Sellschopp in 50 Jahren ans Licht der Welt verholten. Weit über die Stadtgrenzen hinaus genießt die 82jährige den Ruf einer ausgezeichneten Operateurin und Ärztin. Noch heute betrachtet sie ihren Gegenüber mit hellwachen Augen und eindringlichem Blick, der nicht verrät, was sie selber empfindet.

Ihre Art, eine Haltung bis zur letzten Kosequenz vorzuleben, ist so beschaffen, daß da nicht jeder mithalten kann oder will. Aber manches in der Stadt wäre

zum Schlechteren bestellt ohne die 1915 bei Güstrow geborene Bauerntochter, die mit fünf Jahren ihren Vater verlor, mit der Mutter zusammen den Hof besorgte und sich um die Geschwister kümmerte. Als bei einem Aufsatzwettbewerb in der Schule ein jüdisches Mädchen die mit Ab-

stand beste Arbeit ablieferte, die Auszeichnung aber an Ursula verliehen wurde, weil sie den »besseren Stammbaum« hatte, gab sie die Medaille kurzentschlossen an die diskriminierte Siegerin weiter

Nach dem Medizinstudium wurde Ursula Sellschopp 1940 an die Berliner Charite verpflichtet, zog mit dem Instrumentenkoffer durch die brennende Stadt und blieb auch während der Bombardements bei den in Wehen liegenden Schwangeren. Nach dem Krieg ging sie nach Frankfurt (Oder), wo sie im Lutherstift eine Gynäkologische Station und eine Abteilung für Geschlechtskrankheiten einrichtete. Die ersten Krankenbetten bezahlte sie aus der eigenen Tasche.

Dreißig Jahre lang leitete die Ärztin die Klinik mit 150 Betten und 1500 ambulanten Patienten im Monat. Ihre Assistenzärzte bildete sie selber aus. Lange Zeit mußte Ursula Sellschopp in der kirchlichen Einrichtung auf jede staatliche Unterstützung verzichten. Sie wohnte im Pfarrhaus, begann täglich um sechs Uhr morgens ihren Dienst - auch an Sonn- und Feiertagen.

1990, im Alter von 75 Jahren, eröffnete sie ihre eigene Praxis als niedergelassene Ärztin in Frankfurt (Oder). Bis zum Frühjahr dieses Jahres war die heute 82jährige dort tätig. Selbst nach einem offenen Beinbruch stand sie am Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Liegegips wieder in der Praxis und betreute ihre Patienten.

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