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Von Norbert Suchanek

Mit durchschnittlich 1,8 Urlaubern je Quadratkilometer Fläche hat Honduras nach Nikaragua mit 1,1 Urlaubern je Quadratkilometer die geringste Tourismusdichte Mittelamerikas. Doch dies trifft nicht auf die 238 Quadratkilometer kleinen Islas de la Bahia vor der atlantischen Küste des Landes zu. Dort ex-?plodierte der Tourismus förmlich von rund 1OOO Urlaubern im Jahr 1971 auf gut 40 000 im Jahr 1994 - mit drastischen Folgen für die Natur und die 26 300 Inselbewohner

»Das empfindliche Ökosystem der Islas de la Bahia zusammen mit dem weitestgehend unregulierten Wachstum des Tourismus führten zu gravierenden Umweltproblemen, die vor allem das Trinkwasser und das umgebende Meereswasser betreffen«, stellte jüngst Susan Stonich von der University of California in der Fachzeitschrift »Annais of Tourism Research« fest. Verseuchung von Trinkund Meereswasser mit Krankheitskeimen, Versalzung des Grundwassers, Degradierung der Mangroven, Strände und der Korallenriffe sind - so die Studie eine direkte Folge der touristischen Entwicklung. Weil Regenwaldgebiete den Straßen, Hotels und einem Flughafen weichen mußten, belastet besonders in der Regenzeit starke Bodenerosion Oberflächengewässer und Küstengebiete. Vor allem die Korallenriffe und Seegrasflächen leiden unter der Sedimentfracht. Selbst die Strände sind von erhöhter Erosion als Folge der Abholzung betroffen.

Während von den positiven Auswirkungen des Urlauberbooms lediglich honduranische und internationale Investoren sowie die reiche Oberschicht der Insulaner profitiert, bezahle nach Ansicht Susan,Stonichs.die Mehrheit der Inselbewohner mit einem Verlust an Lebensqualität und höherem Gesundheitsrisiko. »Es gibt keine Kläranlagen und große Abwassermengen werden dirket ins Meer gepumpt«, kritisiert die Anthropologin und Umweltforscherin, »und selbst dort, wo Latrinen und Auffangtanks vorhanden sind, werden Boden und Grundwasser aufgrund von Lecks kontaminiert.« Sicheres Trinkwasser gibt es deshalb praktisch nur noch für Hotels und ausländische oder reiche Inselbewohner, die Anschluß an eine Wasseraufbereitungsanlage haben. Als Folge der Trinkwasserknappheit wird seit 1993 auf den honduranischen Inselgruppen auch in Flaschen abgefülltes Mineralwasser vom Festland verkauft. Doch das können sich nur wenige Einheimische leisten, am wenigsten die afrikanischstämmige Bevölkerung und die vom Festland eingewanderten verarmten Latinos.

Wenn sich die Tourismusbranche auf den Islas de la Bahia nicht grundlegend zugunsten der Natur und der breiten Bevölkerungsschichten ändert, sieht Susan Stonich deshalb kaum Chancen für eine nachhaltige Entwicklung und für die Erhaltung der wenigen Meeresschutzgebiete dieser Inselgruppe.

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