• Haló Noviny

Mit der Roten Armee über den Dukla-Pass

Generalleutnant a.D. Jaromir Machac kehrte mit dem 1. Tschechoslowakischen Armeekorps kämpfend in die Heimat zurück

Jaromir Machac wurde am 13. Juni 1923 in Nemecky Brod geboren. Seine Eltern sind Kommunisten, der Vater Funktionär des Proletarischen Turnverbands, die Mutter Journalistin. Seine Entscheidung, mit der Waffe in der Hand gegen Hitlers Deutschland zu kämpfen, fiel gleich nach der Okkupation seiner Heimat. Auch Machac wurde Mitglied der KPTsch, nahm an der Formierung der tschechoslowakischen Militärabteilungen in der UdSSR teil und kämpfte an den Fronten des Großen Vaterländischen Krieges. Als Leutnant betrat Machac mit dem 1. Armeekorps unter dem Befehl Ludvík Svobodas, des späteren Präsidenten der CSSR, wieder tschechoslowakischen Boden und half, seine Heimat zu befreien. Nach dem Krieg wünschte er sich nichts mehr, als sobald wie möglich die Uniform auszuziehen. Doch die Umstände waren nicht so. Jaromir Machac blieb Soldat. Mit 35 Jahren Generalmajor, einer der jüngsten der Armee, wurde er 1968 zum Generalleutnant befördert. Mit ihm sprach Dagmar Aludova.

ND: Mit 16 Jahren emigrierten Sie in die Sowjetunion, traten in die Rote Armee und später in das 1. Tschechoslowakische Armeekorps ein, das in der UdSSR gebildet wurde. Sie waren also sehr jung, als Sie sich entschieden, an die Front zu gehen und gegen Hitlers Deutschland zu kämpfen. Wie kam es zu diesem Entschluss?
Machac: Da spielt die Familie eine große Rolle, die kommunistische Umgebung hat meine Entwicklung entscheidend beeinflusst. Meine Mutter, obwohl noch sehr jung, war schon wenige Jahre nach der Gründung der KPTsch in der Arbeiterbewegung rund um Nemecky Brod sehr bekannt. Eine ebenso herzliche wie entschlossene und opferbereite Frau. Sie wurde wegen ihrer revolutionären Tätigkeit verfolgt, mehrmals festgenommen und ging später illegal in die Sowjetunion.
Alles musste geheim gehalten werden, aber aus den Gesprächen meines Vaters mit seinen Genossen wusste ich, dass sie dort war. Manchmal sah ich sie ein ganzes Jahr nicht, und das war sehr schwer. Ich erinnere mich noch genau, ich war damals acht, wie ich mitten in der Nacht geweckt wurde, und da war sie endlich und nahm mich in die Arme. Das war einer der glücklichsten Augenblicke meines Lebens.
Doch die Freude dauerte nicht lange, meine Mutter wurde verraten und verhaftet. Auch meinen Vater hat man festgenommen. Er war ein sehr tüchtiger Organisator des proletarischen Turnverbands, zu dessen Veranstaltungen er mich oft mitnahm. Als eine solche Veranstaltung zur spontanen Solidaritätserklärung der Turner und des Publikums mit der UdSSR wurde, ergriff man ihn als Initiator dieser prosowjetischen Demonstration.
Ich erinnere mich gut an die kommunistischen Manifestationen zum 1. Mai in Nemecky Brod, wenn ich neben dem Demonstrationszug lief und stolz war, zu diesen Frauen und Männern zu gehören, die sich um eine neue, bessere Welt bemühten.

Wie spürten Sie die wachsende Kriegsgefahr?
Im Jahr 1937, als die Gefahr einer Aggression Hitlerdeutschlands gegen unser Land immer bedrohlicher anwuchs, war ich Schüler in Nemecky Brod. Die Zeit, die wir früher mit sorgenlosen Spielen verbracht hatten, wurde mehr und mehr von politischen Diskussionen bestimmt. Ich erinnere mich an meinen Mitschüler Honza Pabousek, den Sohn eines Großgrundbesitzers, der nach einer dieser erbitterten Debatten zu mir sagte: »Jetzt streite ich mit dir, aber zu Hause argumentiere ich wie du.«
In Prag, wohin wir 1938 umzogen waren und wo ich die Handelsschule besuchte, erlebte ich dann die schicksalsvollen Tage der Münchner Tragödie. Und der 15. März 1939 war eine trauriger, trüber, nasskalter Tag. Ich lief von Holeovice nach Vinohrady in die Schule. Im Zentrum rollten die Kolonnen der Okkupationsarmee Hitlers. Hass auf die Nazis erfüllte mich, als ich den schier unendlichen Zug der deutschen Truppen sah, aber dieser Hass war nicht ohnmächtig. Ich schwor mir, dass noch nicht alles verloren sei. Die KPTsch aber musste in den Untergrund gehen. Viele Kommunisten wurden festgenommen, viele wurden Opfer des Terrors nach dem Attentat auf Heydrich.

Gemeinsam mit dem zweiten Mann Ihrer Mutter emigrierten Sie dann zu ihr in die Sowjetunion. Ihre Mutter arbeitete dort bei der tschechischen Sendung des Moskauer Rundfunks.
Als sich meine Schwester Bozena und ich von unserem Vater, von Großmutter und Großvater verabschiedeten, konnten wir nicht ahnen, dass wir uns nicht wiedersehen würden. Mein Vater wurde 1944 festgenommen und ins KZ Dachau deportiert, wo er an den Folgen der Folter starb.
Unser Weg in die Sowjetunion, im Sommer 1939, kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, war sehr gefährlich. Wir fuhren zunächst mit den Zug nach Ostrava. Der erste Versuch, die Grenze nach Polen zu überschreiten, scheiterte. Auch in Polen drohte uns mehrfach die Verhaftung. Aber schließlich konnten wir die Grenze zur Westukraine überwinden.

Am zweiten Tag nach dem Überfall Hitlerdeutschlands meldeten Sie sich zur Roten Armee. Sie waren kaum 18. Sie kämpften um Charkow und Kiew, waren in Sokolovo dabei und am Dukla-Pass. Wie ertrugen sie die Leiden des Krieges, so jung noch?
Mein Alter spielte da gar keine Rolle. Ich bezog meine Motivation für den bewaffneten Kampf gegen Hitlerdeutschland aus dem, was ich mit meinen jungen Jahren schon erleben musste. Zudem hatte ich Glück und lernte viele ausgezeichnete, kühne Genossen kennen. Gleich in den ersten Kriegstagen traf ich in Moskau Gustav Caban, vor dem Krieg Sekretär der kommunistischen Abgeordneten, und Jan verma, legendärer Abgeordneter und Journalist. Sie waren mir Vorbild und Halt.
In der Roten Armee wurde ich für den Einsatz im Hinterland des Feindes ausgebildet, ich sollte ins »Protektorat« geschleust werden. Dann begann jedoch die Formierung des Ersten Tschechoslowakischen Armeekorps. Ich kam nach Busuluk und Kuibyschew, wohin auch die tschechoslowakische Abteilung von Radio Moskau evakuiert worden war, bei der meine Mutter arbeitete. Unser Wiedersehen war zwar nur kurz, viel zu kurz, aber sehr rührend. Wir bestärkten einander im Willen, den Kampf gegen die Besetzung unserer Heimat fortzusetzen.

Und was fühlten Sie, als Sie endlich wieder heimischen Boden betraten?
Wir, ob nun die erfahrenen Interbrigadisten aus dem spanischen Bürgerkrieg oder die »Neulinge« wie ich, waren müde, wir hatten viele unserer Genossen und Freunde in den Kämpfen verloren. Aber das alles wurde überdeckt von dem herrlichen Gefühl, etwas für die Befreiung unseres Volkes zu tun, endlich wieder auf heimischem Boden zu stehen. Wir waren sicher, dass die Kriegsstrapazen bald enden und wir unsere Liebsten wiedersehen würden.

Gehörte Ihr Regiment zu jenen Truppen, die Prag am 9. Mai 1945 befreiten?
Als erste erreichten zwei Gardepanzerdivisionen der 1. Ukrainischen Front, kommandiert von Rybalko und Leljuschenko, unsere Hauptstadt. Unsere Einheit war Teil der 4. Ukrainischen Front und kam erst später nach Prag.

Und wo erlebten Sie das endgültige Ende des Krieges und die vollständige Befreiung der Tschechoslowakei?
Unser Regiment stand zu jener Zeit im slowakischen Martin. Wir rückten durch Mähren vor, und plötzlich war ich unweit von Nemecky Brod, meinem Heimatort. Auf den Plätzen und Straßen brodelte es. Die Menschen jubelten, trotz aller Verluste. Die Tränen waren Freudentränen. Welch herrliches Gefühl des Glücks, als ich meine Mutter wiedertraf. Ich hatte mein Ziel erreicht, ungeachtet aller Gefahren und Leiden. Ein normales Leben sollte beginnen. Vor mir lag viel Arbeit.ND: Mit 16 Jahren emigrierten Sie in die Sowjetunion, traten in die Rote Armee und später in das 1. Tschechoslowakische Armeekorps ein, das in der UdSSR gebildet wurde. Sie waren also sehr jung, als Sie sich entschieden, an die Front zu gehen und gegen Hitlers Deutschland zu kämpfen. Wie kam es zu diesem Entschluss?
Machac: Da spielt die Familie eine große Rolle, die kommunistische Umgebung hat meine Entwicklung entscheidend beeinflusst. Meine Mutter, obwohl noch sehr jung, war schon wenige Jahre nach der Gründung der KPTsch in der Arbeiterbewegung rund um Nemecky Brod sehr bekannt. Eine ebenso herzliche wie entschlossene und opferbereite Frau. Sie wurde wegen ihrer revolutionären Tätigkeit verfolgt, mehrmals festgenommen und ging später illegal in die Sowjetunion.
Alles musste geheim gehalten werden, aber aus den Gesprächen meines Vaters mit seinen Genossen wusste ich, dass sie dort war. Manchmal sah ich sie ein ganzes Jahr nicht, und das war sehr schwer. Ich erinnere mich noch genau, ich war damals acht, wie ich mitten in der Nacht geweckt wurde, und da war sie endlich und nahm mich in die Arme. Das war einer der glücklichsten Augenblicke meines Lebens.
Doch die Freude dauerte nicht lange, meine Mutter wurde verraten und verhaftet. Auch meinen Vater hat man festgenommen. Er war ein sehr tüchtiger Organisator des proletarischen Turnverbands, zu dessen Veranstaltungen er mich oft mitnahm. Als eine solche Veranstaltung zur spontanen Solidaritätserklärung der Turner und des Publikums mit der UdSSR wurde, ergriff man ihn als Initiator dieser prosowjetischen Demonstration.
Ich erinnere mich gut an die kommunistischen Manifestationen zum 1. Mai in Nemecky Brod, wenn ich neben dem Demonstrationszug lief und stolz war, zu diesen Frauen und Männern zu gehören, die sich um eine neue, bessere Welt bemühten.

Wie spürten Sie die wachsende Kriegsgefahr?
Im Jahr 1937, als die Gefahr einer Aggression Hitlerdeutschlands gegen unser Land immer bedrohlicher anwuchs, war ich Schüler in Nemecky Brod. Die Zeit, die wir früher mit sorgenlosen Spielen verbracht hatten, wurde mehr und mehr von politischen Diskussionen bestimmt. Ich erinnere mich an meinen Mitschüler Honza Pabousek, den Sohn eines Großgrundbesitzers, der nach einer dieser erbitterten Debatten zu mir sagte: »Jetzt streite ich mit dir, aber zu Hause argumentiere ich wie du.«
In Prag, wohin wir 1938 umzogen waren und wo ich die Handelsschule besuchte, erlebte ich dann die schicksalsvollen Tage der Münchner Tragödie. Und der 15. März 1939 war eine trauriger, trüber, nasskalter Tag. Ich lief von Holeovice nach Vinohrady in die Schule. Im Zentrum rollten die Kolonnen der Okkupationsarmee Hitlers. Hass auf die Nazis erfüllte mich, als ich den schier unendlichen Zug der deutschen Truppen sah, aber dieser Hass war nicht ohnmächtig. Ich schwor mir, dass noch nicht alles verloren sei. Die KPTsch aber musste in den Untergrund gehen. Viele Kommunisten wurden festgenommen, viele wurden Opfer des Terrors nach dem Attentat auf Heydrich.

Gemeinsam mit dem zweiten Mann Ihrer Mutter emigrierten Sie dann zu ihr in die Sowjetunion. Ihre Mutter arbeitete dort bei der tschechischen Sendung des Moskauer Rundfunks.
Als sich meine Schwester Bozena und ich von unserem Vater, von Großmutter und Großvater verabschiedeten, konnten wir nicht ahnen, dass wir uns nicht wiedersehen würden. Mein Vater wurde 1944 festgenommen und ins KZ Dachau deportiert, wo er an den Folgen der Folter starb.
Unser Weg in die Sowjetunion, im Sommer 1939, kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, war sehr gefährlich. Wir fuhren zunächst mit den Zug nach Ostrava. Der erste Versuch, die Grenze nach Polen zu überschreiten, scheiterte. Auch in Polen drohte uns mehrfach die Verhaftung. Aber schließlich konnten wir die Grenze zur Westukraine überwinden.

Am zweiten Tag nach dem Überfall Hitlerdeutschlands meldeten Sie sich zur Roten Armee. Sie waren kaum 18. Sie kämpften um Charkow und Kiew, waren in Sokolovo dabei und am Dukla-Pass. Wie ertrugen sie die Leiden des Krieges, so jung noch?
Mein Alter spielte da gar keine Rolle. Ich bezog meine Motivation für den bewaffneten Kampf gegen Hitlerdeutschland aus dem, was ich mit meinen jungen Jahren schon erleben musste. Zudem hatte ich Glück und lernte viele ausgezeichnete, kühne Genossen kennen. Gleich in den ersten Kriegstagen traf ich in Moskau Gustav Caban, vor dem Krieg Sekretär der kommunistischen Abgeordneten, und Jan verma, legendärer Abgeordneter und Journalist. Sie waren mir Vorbild und Halt.
In der Roten Armee wurde ich für den Einsatz im Hinterland des Feindes ausgebildet, ich sollte ins »Protektorat« geschleust werden. Dann begann jedoch die Formierung des Ersten Tschechoslowakischen Armeekorps. Ich kam nach Busuluk und Kuibyschew, wohin auch die tschechoslowakische Abteilung von Radio Moskau evakuiert worden war, bei der meine Mutter arbeitete. Unser Wiedersehen war zwar nur kurz, viel zu kurz, aber sehr rührend. Wir bestärkten einander im Willen, den Kampf gegen die Besetzung unserer Heimat fortzusetzen.

Und was fühlten Sie, als Sie endlich wieder heimischen Boden betraten?
Wir, ob nun die erfahrenen Interbrigadisten aus dem spanischen Bürgerkrieg oder die »Neulinge« wie ich, waren müde, wir hatten viele unserer Genossen und Freunde in den Kämpfen verloren. Aber das alles wurde überdeckt von dem herrlichen Gefühl, etwas für die Befreiung unseres Volkes zu tun, endlich wieder auf heimischem Boden zu stehen. Wir waren sicher, dass die Kriegsstrapazen bald enden und wir unsere Liebsten wiedersehen würden.

Gehörte Ihr Regiment zu jenen Truppen, die Prag am 9. Mai 1945 befreiten?
Als erste erreichten zwei Gardepanzerdivisionen der 1. Ukrainischen Front, kommandiert von Rybalko und Leljuschenko, unsere Hauptstadt. Unsere Einheit war Teil der 4. Ukrainischen Front und kam erst später nach Prag.

Und wo erlebten Sie das endgültige Ende des Krieges und die vollständige Befreiung der Tschechoslowakei?
Unser Regiment stand zu jener Zeit im slowakischen Martin. Wir rückten durch Mähren vor, und plötzlich war ich unweit von Nemecky Brod, meinem Heimatort. Auf den Plätzen und Straßen brodelte es. Die Menschen jubelten, trotz aller Verluste. Die Tränen waren Freudentränen. Welch herrliches Gefühl des Glücks, als ich meine Mutter wiedertraf. Ich hatte mein Ziel erreicht, ungeachtet aller Gefahren und Leiden. Ein normales Leben sollte beginnen. Vor mir lag viel Arbeit.

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