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»Er hat sich nicht verhalten er wurde gehalten«

Auch im zweiten Anlauf kein Urteil gegen Over Von Jan-Cesar Woicke

Ein Bagatelldelikt, eine haltlose Anklage, zwei Prozeßtage und noch immer kein Urteil: Der »Fall Over« entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Gestern nachmittag sagten neben zwei weiblichen Polizisten auch die PDS-Abgeordnete Marion Seelig sowie der ND-Foto-Redakteur Burkhard Lange im Strafverfahren gegen Freke Over (PDS) als Zeugen aus. Der Parlamentarier soll 1996 beim ersten öffentlichen Gelöbnis vor dem Schloß Charlottenburg einen Polizisten in den Ober-

arm gebissen haben. Nach nunmehr rund acht Verhandlungsstunden wird eines immer deutlicher: Auf der Anklagebank sitzt der Falsche.

Gedächtnisschwund ist mitunter eine Gabe. In Sachen Amnesie standen die Polizistinnen ihren männlichen Kollegen, die sich am ersten Verhandlungstermin Anfang letzter Woche auch schon an nichts erinnerten, in nichts nach. Anders Seelig und Lange. Trotz wiederholter Versuche der Staatsanwältin, die beiden Zeugen aufs Glatteis zu führen, bestätigten beide unabhängig voneinander nahezu exakt die Darstellung Overs. Wie der 30jährige sich gegenüber den Beamten

vefnalteh habe; wollte das Gericht vom ND-Fotografen wissen. Lange: »Er hat sich nicht verhalten - er wurde gehalten«. Für den Richter kristallisiert sich nunmehr folgender Geschehensablauf heraus: Auf heimtückische Weise hat Over die polizeilichen Absperrungen vor dem Schloß überwunden, indem er sich einer Rentnergruppe anschloß. Beim Versuch, ein Transparent zu entfalten, rissen ihn mehrere Beamte ohne Vorwarnung zu Bbden, nahmen Over in den »Schwitzkasten« und führten ihn anschließend gefesselt ab. Bleibt die Frage nach dem Biß. Nachdem bislang - außer offenbar der Anklägerin - inklusive dem »Gebissenen« niemand von einer solchen Attacke wußte, fand sich gestern eine Polizistin, die am fraglichen Arm immerhin einen roten Fleck gesehen haben will. Sollte Over den Beamten am Ende mit einer Knutsch-Attacke sexuell genötigt haben? Fortsetzung, auch zur Frage, ob Over denn im selben Jahr wenigstens mit seiner Hausbesetzung gegen ein Gesetz verstoßen hat, folgt am kommenden Mittwoch.

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