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Ist der Bienenfleiß nur ein Mythos?

Stichproben des Arbeitstages zeigen: Im Stock regiert das Lustprinzip Von Claus M. Schmidt

Wie sie so dahinfliegen von Blüte zu Blüte und Nektar und Pollen in ihren Taschen verstauen, dann wieder heim in den Stock, um die Vorräte für die ganze Sippe aufzufüllen. Es gibt viel zu tun - die emsigen Bienen bauen Waben, füttern die Jungen, versorgen die Königin, reinigen die Puppenstuben und stehen als Ventilator an den Eingängen -

die Kaste der Arbeiterinnen gilt als »bienenfleißig« im wahrsten Sinn des Wortes. Doch mit dem Fleiß der arbeitenden Klasse ist es offenbar doch nicht so weit her. Ein Team von Biologen der Universität Tennessee markierte jeweils 100 Bienen in verschiedenen Völkern mit Farbtupfern und verfolgte ihre Aktivitäten über 16 Tage rund um die Uhr. Von einem festen Stundenplan oder gar Schichtbetrieb im Bienenstock kann nach ihren Beobachtungen keine Rede mehr sein. Ganz im Gegenteil: Wie sich herausstellte, arbeiten die einzelnen Bienen

äußerst selten - viel wahrscheinlicher trifft man bei den Stichproben auf ein Exemplar, das gerade pausiert. Auch bei den Ausflügen zu den Blüten scheint das Lustprinzip zu regieren. So war es unmöglich vorherzusagen, ob eine Biene sich gleich auf den Weg machen würde oder ob sie sich lieber auf ein mehrstündiges Nickerchen zurückzieht.

Junge Bienen scheinen dabei noch lässigere Mitarbeiter zu sein als die älteren. Bei denen kann man sich wenigstens auf feste Schlafzeiten verlassen, so Darrell Moore, Leiter der Studie. Und der Schlafrhythmus stabilisiert sich in der Entwicklung zu einer kaum verrückbaren Konstante. So kam es, daß ältere Arbeiterinnen, die für die Studie nach Tennessee eingeflogen worden waren, sogar Anzeichen für einen »Jet lag« aufwiesen. Arbeiterinnen von der Westküste verschliefen noch mehr Tageslichtstunden als ihre Artgenossen, die in ihrer angestammten Zeitzone geblieben waren.

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