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BVG-Belegschaft unsicher und wütend

Gesamtpersonalrat setzt zunächst auf Dialog Von Rainer Funke

Die Stimmung in der BVG-Belegschaft ist, seit die Holding-Pläne detailliert öffentlich wurden, ziemlich explosiv Bei ÖTV und Gesamtpersonalrat klingeln pausenlos die Telefone. Die Kollegen sind verunsichert und wollen bei irgendwem loswerden, wie wütend und empört sie sind. Beinahe jeder fürchtet, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Man hat alle Mühe, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das Wort vom Streik macht die Runde. »Die Politiker müssen wissen, daß sie zündeln, wenn das Problem nicht bereinigt wird«, beurteilte ÖTV-Landesvize Uwe Scharf gegenüber ND die Situation.

Für Freitag nächster Woche hat der BVG-Gesamtpersonalrat eine Vollversammlung einberufen, zu der der Regierende Bürgermeister sowie die Fraktionschefs eingeladen wurden. Man er-

warte, daß der Senat den Kollegen sagt, wo es langgeht und ob gehalten wird, was versprochen wurde, nämlich nichts gegen die Interessen der Belegschaft zu tun, sie in Entscheidungen einzubeziehen, sagte Uwe Nitzgen, Vorsitzender des BVG-Gesamtpersonalrates, dem ND

Sodann werde entschieden, ob und welche Protestaktionen folgen. Einen Streik hält Nietzgen derzeit für ausgeschlossen. Man suche zunächst den sachlichen Dialog. Zudem werde man keineswegs irgendetwas tun, was sich gegen die Interessen der Fahrgäste richtet.

Derweil gerät das Holding-Modell immer stärker in die Kritik. Nicht nur 7000 Arbeits-, sondern auch 400 Ausbildungsplätze würden wegfallen, hieß es bei der ÖTV Bei Einschnitten in den Busverkehr würden im ersten Schritt die Fahrwege zwischen den Haltestellen gestreckt. Was bedeutet, daß Wege zu den Haltepunkten sich von i durchschnittlich

500 auf 2000 Meter verlängern. Vor allem Ältere und Behinderte würden bestraft.

Der DAG-Landesverbandsleiter Hartmut Friedrich meinte, die Bahn AG »hat sich in der Vergangenheit durch massive Streckenstillegungen und Fehlbesetzungen in der Führungsebene ausgezeichnet«, zu solch einem Partner könne man kein Vertrauen haben. BUND-Landesgeschäftsführer Stefan Bundscherer geht davon aus, daß das Holding-Konzept zu längeren Fahrzeiten und höheren Kosten führen würde, wodurch wiederum mit neuerlichem Fahrgastschwund gerechnet werden müßte - eine Spirale ohne Ende.

Keinen Grund zur Panik sieht SPD-Fraktionschef Klaus Böger, verweist aber auf weiteren Handlungsbedarf, die BVG wettbewerbsfähig zu machen. Hingegen glaubt PDS-Verkehrssprecherin Jutta Matuschek den Senat auf dem Weg zum »Vorreiter der radikalsten neoliberalen Wirtschaftsszenarien«. Sie forderte die Koalition auf, statt Holding-Pläne zu schmieden, sich der tatsächlichen Sanierung der BVG zu widmen.

Da die Altlasten beim Land Berlin blieben, so der grüne Verkehrssprecher Michael Cramer, gebe es keinerlei Einsparungen für den Landeshaushalt, Bahnmitarbeiter müßten aber mit Lohneinbu-ßen von 20 Prozent, Busfahrer von 30 Prozent rechnen.

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