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Drei Frauen beim Kaffeeklatsch

Hörspiel zum Zugucken im Theater Wind Spiel Von Manuela Lintl

Hörspiele zum Zugucken an möglichst ungewöhnlichen Orten - von Planetarium bis Theatersaal - sind im Trend. Auch das kleine Wilmersdorfer Theater Wind Spiel bietet sie als Gastspiele an. »Stunde der Liebe« nennt Christine Marx ihre Auswahl von Texten von fünf Autorinnen, die als Weiber-Kaffeeklatsch von drei Schauspielerinnen vorgetragen werden. Drei Frauentypen werden von Monika Dierauer, Christine Marx und Tessie Teilmann verkörpert: die erotisch-naive Verführerin im roten Satinkleid, die kühle, androgyne Schriftstellerin im schwarzen Anzug mit rosa Krawatte und die lebenserfahrene Wissenschaftlerin, die sich ihre Weiblichkeit bewahrt hat.

Die Frauen unterhalten sich ausgiebig über Liebe und Männer Einmal mehr wollen sie beweisen, daß das Frauengespräch »der einzige Trost, die einzige Rache und natürlich die Glückserhöhung« schlechthin ist. Die literarischen Vorlagen der Textcollage stammen von “Edith Sitwell, Marguerite Duras und Gabriele Tergit. Außerdem gingen Bruchstücke romantisch verklärter Texte von Ricarda

Huch und Auszüge aus Hedwig Courths-Mahlers schönfärberischen Liebesgeschichten aus einer vorgegaukelten heilen Welt in den Klatsch ein. Die Zitate sind zum Gespräch verknüpft. Mitunter helfen improvisierte Dialoge über fehlende Zusammenhänge. Musikalisch am Klavier durch Cornelia Maaz begleitet, wird das muntere Palaver in Wohnzimmeratmosphäre nur durch Telefonanrufe hartnäckiger Verehrer gestört.

Zwischen Publikum und Akteurinnen gibt es keine räumliche Trennung. Unversehens wird man hineingezogen in die Befindlichkeiten. Dennoch, für ein Hörspiel erweisen sich die ausgewählten Textbruchstücke als zu substanzlos. Die fürs Hörspiel notwendig hohe Qualität der literarischen Sprache weist die Textcollage leider nicht auf. Weite Teile der Aufführung werden allein durch die optischen Reize der Darstellerinnen getragen, durch ihre exzellente Mimik und Gestik untermalt. So wird der mangelnde Tiefgang gekonnt kaschiert.

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