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Europa in der Kriegsfalle

  • Von Detlef D. Pries
  • Lesedauer: 2 Min.

Jedesmal, wenn die »Tornados« nach ihrem Einsatz über Jugoslawien wieder im norditalienischen Piacenza landen, heißt es aus dem Bonner Verteidigungsministerium, sie hätten ihren »Auftrag erfolgreich« erfüllt. Man beachte die Wörter! War es nicht angeblich der Auftrag des ganzen Unternehmens, eine »humanitäre Katastrophe zu verhindern«? Der sichtbare »Erfolg« besteht jedenfalls darin, daß sich Leid und Tod innerhalb und außerhalb Kosovos vervielfacht haben.

Frankreichs Verteidigungsminister Hubert Vedrine hatte das Ganze als »eine Sache von Tagen« angekündigt. Inzwischen sieht er sich vom Pentagon-Sprecher belehrt. »Wir haben immer gewußt, daß wir lange Zeit brauchen werden«. Und was als geradezu befreiender »Militärschlag« angepriesen wurde, hat sich als das entpuppt, was es nur sein konnte:

ein Krieg, der nach eigener Logik ständig neue Verbrechen hervorbringt.

Javier Solana, der Sekretär der NATO-Generäle, hatte zwei Wochen vor Kriegsbeginn formuliert. Die »internationale Gemeinschaft, das heißt die 16 NATO-Länder«, seien zu »Maßnahmen militärischen Charakters« bereit. Die derart anmaßend reduzierte »internationale Gemeinschaft« schrumpft langsam weiter NATO-Mitglied Griechenland geht auf Distanz, Italiens Premier steht unterm Druck seiner Koalitionäre, Frankreichfürchtet eine innenpolitische Krise, unter deutschen Grünen rumort es. Verzweifelt angesichts der nun tatsächlich ausgebrochenen Katastrophe, fragen immer mehr, wie und wann Europa aus der Falle des Krieges entrinnen kann.

Durch »erfolgreiche« Tornados gewiß nicht. Durch einen gutwilligen Vermittler auch nicht, solange die NATO auf Geheiß Washingtons nicht weniger verlangt, als daß er ihr die Kapitulation Jugoslawiens überbringt. Fast möchte man sich an die Nachricht klammern, daß der USA-Luftwaffe die Marschflugkörper knapp werden und daß in Übersee inzwischen nach den Kosten gefragt wird: 300 bis 400 Millionen Dollar in der ersten Woche, allein für die USA-Steuerzahler Wenn's ans Geld geht schließlich Leider nur ein Strohhalm für die Hoffnung, denn an Marschflugkörpern wird auch verdient.

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