Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Hemmungslos

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Siegmar Faust

Der 54jährige suspendierte sächsische , Stasi-Landesbeauftragte pflegte auch Verbindung zum Internet. Dort wurden ihm Kinderpornos zum Verhängnis.

Foto: dpa/Hiekel

Umstritten zu sein, das dürfte für jemanden, der sich »Landesbeauftragter für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR« nennen darf, nichts Ungewöhnliches sein. Siegmar Faust allerdings, der die Funktionsbezeichnung von seiner Visitenkarte

demnächst wird streichen können, nachdem er in den Verdacht unzüchtiger Teteä-tetes am vom Freistaat bezahlten Dienstcomputer geriet, war umstritten in Potenz: durch sein Verständnis des Jobs wie durch die ihm vielfach völlig abgesprochene Eignung dafür

Gerade ein Jahr ist vergangen, seit der 54jährige Schriftsteller einen Abwahlantrag im sächsischen Landtag überstand. Anlaß waren damals Kontakte Fausts mit dem Züricher »Verein für psychologische Menschenkenntnis«, dem ein Sektenverdacht anhaftet. »Was umstritten ist, zieht mich an«, soll sich Faust gerechtfertigt haben. Zumindest damals muß der Ruch des Ungewissen wohl wider Erwarten auch die CDU-Landtagsfraktion noch beeindruckt haben; Die rettete dem Schriftsteller das Amt, den sie im Mai 1996 gegen heftige Bedenken der Opposition geholt hatte,

Seine hemmungslose Affinität zum Uneindeutigen hatte Faust, der 1987 schrieb, er »bleibe in Verruf, keinen Beruf zu haben ... keinen Anstand, keine Bildung, keine Hemmungen«, wiederholt in die Bredouille gebracht. Zuletzt, als er

eine Krankenschwester eindeutig als Stasi-Opfer bezeichnete, die Sachsens Wissenschaftsminister Meyer wegen IM-Verdachts gefeuert hatte. Zuvor, als Faust noch Mitarbeiter des Berliner Stasi-Landesbeauftragten - eine frühere KZ-Aufseherin unterstützte, die als Stalinismus-Opfer anerkannt werden wollte. Die Affäre, die durch ein akzeptiertes Geldgeschenk verschärft wurde, kostete ihn seinen damaligen Job.

Nun wird Faust, der 1944 im sächsischen Dohna geboren wurde, am Leipziger Literaturinstitut studierte und 1976 nach 40itägiger Isolationshaft von der BRD freigekauft wurde, wieder auf Stellensuche gehen müssen. Zwar verweigert er einen Rücktritt - angeblich, um Spekulationen nicht zu bestätigen, er habe kinderpornographische Internet-Seiten gespeichert. Doch nachdem das Justizministerium ihn für die Dauer der Untersuchung suspendiert hat, riet nicht nur die Opposition Faust, seinen Hut zu nehmen. Auch die CDU-Fraktion beschied, mit ihrer Lust am Hemmungslosen sei es vorbei. Hendrik Lasch

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!