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Hemmungslos

Siegmar Faust

Der 54jährige suspendierte sächsische , Stasi-Landesbeauftragte pflegte auch Verbindung zum Internet. Dort wurden ihm Kinderpornos zum Verhängnis.

Foto: dpa/Hiekel

Umstritten zu sein, das dürfte für jemanden, der sich »Landesbeauftragter für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR« nennen darf, nichts Ungewöhnliches sein. Siegmar Faust allerdings, der die Funktionsbezeichnung von seiner Visitenkarte

demnächst wird streichen können, nachdem er in den Verdacht unzüchtiger Teteä-tetes am vom Freistaat bezahlten Dienstcomputer geriet, war umstritten in Potenz: durch sein Verständnis des Jobs wie durch die ihm vielfach völlig abgesprochene Eignung dafür

Gerade ein Jahr ist vergangen, seit der 54jährige Schriftsteller einen Abwahlantrag im sächsischen Landtag überstand. Anlaß waren damals Kontakte Fausts mit dem Züricher »Verein für psychologische Menschenkenntnis«, dem ein Sektenverdacht anhaftet. »Was umstritten ist, zieht mich an«, soll sich Faust gerechtfertigt haben. Zumindest damals muß der Ruch des Ungewissen wohl wider Erwarten auch die CDU-Landtagsfraktion noch beeindruckt haben; Die rettete dem Schriftsteller das Amt, den sie im Mai 1996 gegen heftige Bedenken der Opposition geholt hatte,

Seine hemmungslose Affinität zum Uneindeutigen hatte Faust, der 1987 schrieb, er »bleibe in Verruf, keinen Beruf zu haben ... keinen Anstand, keine Bildung, keine Hemmungen«, wiederholt in die Bredouille gebracht. Zuletzt, als er

eine Krankenschwester eindeutig als Stasi-Opfer bezeichnete, die Sachsens Wissenschaftsminister Meyer wegen IM-Verdachts gefeuert hatte. Zuvor, als Faust noch Mitarbeiter des Berliner Stasi-Landesbeauftragten - eine frühere KZ-Aufseherin unterstützte, die als Stalinismus-Opfer anerkannt werden wollte. Die Affäre, die durch ein akzeptiertes Geldgeschenk verschärft wurde, kostete ihn seinen damaligen Job.

Nun wird Faust, der 1944 im sächsischen Dohna geboren wurde, am Leipziger Literaturinstitut studierte und 1976 nach 40itägiger Isolationshaft von der BRD freigekauft wurde, wieder auf Stellensuche gehen müssen. Zwar verweigert er einen Rücktritt - angeblich, um Spekulationen nicht zu bestätigen, er habe kinderpornographische Internet-Seiten gespeichert. Doch nachdem das Justizministerium ihn für die Dauer der Untersuchung suspendiert hat, riet nicht nur die Opposition Faust, seinen Hut zu nehmen. Auch die CDU-Fraktion beschied, mit ihrer Lust am Hemmungslosen sei es vorbei. Hendrik Lasch

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