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  • »Magic Afternoon« am Schloßpark-Theater Berlin

»Nette« Lümmel

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Das Stück »Magic Afternoon« von Wolfgang Bauer, so wird kolportiert, war Ende der 60er Jahre ein Kulttext. Davon ist jetzt am Schloßpark-Theater Berlin, wo es Hausherr Heribert Sasse inszenierte, kaum noch etwas zu spüren. Wie schnell doch setzen zeitkonkrete Texte Patina an.

Was der damals 27jährige, in Graz geborene Autor 1968 warnend und aufklärerisch als Katastrophe wertete, das mit Mord endende Ausflippen zweier junger Paare, würde heutzutage, denke ich an Stückeschreiber wie Nicky Silver (»Fette Männer im Rock«) oder Mark Ravenhill (»Shoppen & Ficken«), wahrscheinlich cool als perfide Stinknormalität hingestellt.

An einem schwülen Nachmittag langweilen sich Birgit und Charly, Sprößlinge begüteter Eltern, die das Glück hatten, nicht auf »kollektive Kindergarten-Töpfe« gesetzt worden zu sein, die also zu prima freien Individualisten heranwachsen konnten. Eben hatten sie Sex miteinander, nun saufen sie und haben zu nichts Lust. Von der Partei mit den grünen Illusionen haben sie noch nichts gehört. Sie pflegen ihr Ego. Sie legen eine Platte oder CD nach der anderen auf, hören kaum zu, necken sich übermütig, öden sich an, verpassen sich aus Jux Ohrfeigen. Und schon verprügeln sie sich. Birgit läuft davon, Charly hinterher

In der leeren Wohnung machen es sich inzwischen Monika und Joe bequem, ebenfalls würdige Kinder ihrer Zeit. Sie legt sich stupid schon mal passend zurecht fürs Ereignis, er will es langsam angehen. Unver-

sehens geraten auch sie sich in die Haare. Aus nichtigem Anlaß demoliert er ihr Nasenbein und bringt sie zum Arzt. Unterdessen haben sich Birgit und Charly versöhnt. Doch bevor sie sich wieder nahekommen, kehrt Joe zurück und verführt Charly zu einem Joint. Im Rausch belästigen die Männer Birgit immer zudringlicher In ihrer Verzweiflung greift sie zum Messer und sticht zu. Joe stirbt.

Warum Birgit nicht einfach abhaut, als es brenzlig zu werden droht, bleibt das Geheimnis des Autors. Mir scheint, er wollte seinen Konflikt nach überkommenem dramaturgischem Strickmuster abarbeiten: Konstruktion statt Lebenslogik. Womit die ansonsten überzeugende Darstellerin der Birgit nicht zurechtkommt. Ihr hysterisch gekreischter Protest gegen die kindischen, aber unberechenbaren Zugriffe der Männer bleibt leer und äußerlich. Die unglaubwürdige Situation ist wohl kaum zu erspielen. Was dem Autor anzulasten ist.

Gespielt wird im übrigen höchst engagiert. Heribert Sasse, der 1969 in einer Aufführung der Freien Volksbühne den Charly gab, hatte eine gute junge Truppe beisammen. Sabine Grabis (Birgit), Brit Gdanietz (Monika), Alexander Pschill (Charly) und Holger Daemgen (Joe) führen das Dilemma, dem Leben nur nette oder aggressive Lümmelhaftigkeit abgewinnen zu können, sehr ernsthaft, zuweilen trokken komisch und immer auch ein wenig spöttisch vor. Sasse meistert Durststrecken der Handlung, findet die Balance zwischen Gefälligkeit des Spiels und Brutalität.

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