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Goethe, der Ausnahme-Athlet

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 2 Min.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche... An diesem Wochenende ist es wieder soweit. Und im Goethe-Jahr natürlich ganz besonders.

Unser reimender Altmeister sei aber auch all denen ans Herz gelegt, die vorhaben sollten, den Osterspaziergang in einen Osterlauf oder gar ein Osterschwimmen ausarten zu lassen. Denen sogar besonders. Und zwar eingedenk der ansonsten kaum beachteten Tatsache, daß Johann Wolfgang von Goethe nicht nur Dichter, Naturforscher, Minister und umtriebiger Liebhaber, sondern auch ein für seine Zeit überdurchschnittlicher Sportmensch war.

Vom Arzt und Zeitgenossen Christoph Hufeland ist diese Briefstelle überliefert: »In allen körperlichen Übungen - Reiten,

Fechten, Voltigieren, Tanzen - war er der Erste.« Goethe hat seine Pferde nicht nur mit Bravour gehetzt, sondern auch selbst zugeritten. Er sprang in alle Flüsse (nackt, wird berichtet), schoß wie ein Wilddieb, focht wie ein Musketier und lief wie ein Holländer auf den Schlittschuhen.

Was daran Besonderes ist? Goethe war und tat all dies in einer für seine gesellschaftliche Herkunft und Stellung höchst unüblichen Weise. Man erinnere sich: Sport im antiken Sinne war mit dem Christentum über Jahrhunderte völlig in paganistischem Verruf, die Ritterspiele vielleicht mal ausgenommen. Und die Romantik, die sich später der Leibesübungen besann, war in Goethes Jugendjahren längst noch nicht Zeitgeist, deutete sich bestenfalls in Rousseaus Ruf »Zurück zur Natur!« an.

War Goethe seiner Zeit geistig - so es so etwas geben sollte - tatsächlich um Epochen voraus, war er es ihr gymnastisch zumindest um Jahrzehnte. Und eigentlich ist man kaum erstaunt. Denn einem Genie wie ihm, traut man letztlich alles zu.

Ausnahme-Dichter, Ausnahme-Athlet; die andere Reihenfolge ist allerdings etwas seltener

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