Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Vergeistigtes Ende linker Utopie

Im Stück »Jonahs Hunde. Pit-Bulls« sind die Ideale längst zernagt Von Almut Schröter

Gottfried Richter, Ev-KatrinWeiß und Ulrich Müller-Hönow (r.)

Foto: Claudia Esch-Kenkel

Geschmeidig wie eine Katze oder sich spreizend wie ein Pfau bewegt sich Ev-Katrin Weiß ausdrucksvoll als Jonah. Die Titelheldin von »Jonahs Hunde. Pit-Bulls« im Hackeschen Hoftheater hat alle Hemmungen abgelegt. Im Wohlstand kann man das. Da kann man auch Leute

verschwinden lassen, die nichts wert sind. Die zahlreichen Hunde im Garten, derentwegen sich Jonah nachts schon selbst nicht mehr aus der Villa traut, brauchen ja auch ihr Futter Jonah ist das, was man überdreht nennt. Man erzählt, Rojner (Gottfried Richter) hat die Schizophrene aus einer englischen Klinik geholt und geheiratet. Die beiden heben sich ab vom Rest der Welt. Der Rest sind die Proleten, wobei keiner mehr richtig

Prolet sein will, beklagen sie, sondern alle lieber Unternehmer spielen. Das grausame Paar hat schon Jonahs Geschäftspartner abgemurkst. Der Klempner Benjamin hat das gesehen. Pech für den Proleten. Ulrich Müller-Hönow spielt die dritte Rolle.

Im letzten Stück der Trilogie »Das harte Los der linken Utopie«, die an das zweite Stück »Thälmann in Berlin« inhaltlich nicht heranreicht, sind alle Ideale gefressen. Bestenfalls bleibt den Helden, im Dunkeln spanische Kampflieder zu summen. Autorin Katharina Gericke suchte sich für die Wegbeschreibung der linken Utopisten ein Gleichnis im Alten Testament. Da geht es um nicht zu yerwindehde, fehlgegangene prophetische Leistungen, von Joriah-^Die,, Stadt JNTiniye sollte in 40 Tagen untergehen, prophezeite Jonah - nichts geschah. Ninive ist überall, will das gut gespielte und ausgezeichnet gesprochene Stück in der Regie von Katharina Gericke wohl sagen. Mag da predigen, wer will. Deshalb wechseln die Orte rasant, kaum nachvollziehbar. Tja, sehr kompliziert, hörte man im verunsicherten Publikum nach der Premiere.

Dabei waren die 70 Minuten unterhaltsam. Doch dieses Theater um verdrossene Propheten sieht sich an wie ein farbenprächtiges Bild von Picasso. Man kann seinen Blick auf einen Punkt fixieren. Löst man sich kurz, flimmert alles. Das Stück ist so vergeistigt wie die Heldin. Da liegt der Hund begraben.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln