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Bahncard für den Süden

Das Jubiläum wird von der geplanten Fahrpreiserhöhung überschattet

Die Deutsche Bahn feiert das 20-jährige Jubiläum der Bahncard. Eine wirkliche Erfolgsstory ist dies jedoch nicht, vor allem wenn man in einige unserer Nachbarländer blickt.

Erfreuliche und unerfreuliche Nachrichten von der Deutschen Bahn: Sie verkauft anlässlich des 20. Geburtstags ihrer Bahncard ein Jubiläumsstück für nur 20 Euro. Und zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember erhöht sie wieder einmal die Ticketpreise. Bahnkunden sollen pünktlich zur Weihnachtszeit im Durchschnitt 2,8 Prozent mehr für ihre Tickets berappen. Die teuerste Fahrt im ICE - etwa von München nach Hamburg - kostet 139 Euro vier Euro mehr.

Die Bahncard, die vor allem der Kundenbindung dienen soll, wurde am 1. Oktober 1992 von der Bundesbahn und der Reichsbahn unter dem Motto »Ganz Deutschland für die Hälfte« eingeführt. Sie kostete für ein Jahr 220 D-Mark; mit ihrem Erwerb reduzierte sich der Preis einer normalen Fahrkarte der 2. Klasse um 50 Prozent. 2002/2003 wurde diese Bahncard vorübergehend abgeschafft. An ihre Stelle trat die »Bahncard 25«, die lediglich 60 Euro für ein Jahr kostete, aber nur noch einen Rabatt von 25 Prozent gewährte und die Reisenden an einen bestimmten Zug band. Wegen der scharfen Kritik von Fahrgastverbänden und Verkehrspolitikern wurde Ende 2003 die »Bahncard 50« wieder einführt, zum deutlich erhöhten Preis von 200 Euro. Hinzu kam ferner die »Bahncard 100«, die Fahren ohne jegliche weitere Kosten ermöglicht und sich nur für die relativ wenigen Kunden rentiert, die extrem häufig mit der Bahn fahren. Sie kostete anfangs 3990 Euro für ein Jahr in der 2. Klasse.

Mit der »Bahncard 25« ging die flexible Benutzung der Züge verloren. Dies war auch so gewollt: Nach Ansicht Hubers sitzen in den oft übervollen Freitagszügen noch immer zu viele mit der 50er-Bahncard. Was er nicht sagt: Früher wurde der Spitzenverkehr nicht über den Preis reguliert, sondern die Bahn stellte sich auf ihn mit Entlastungszügen und Verstärkungswagen ein.

Die Leute von Bahnfahrten abzuhalten, könnten auch die ständig angehobenen Fahrpreise besorgen. Bis auf das Jahr 2010 hatte die Deutsche Bahn in den letzten Jahren seine Preise alljährlich erhöht. Der Konzern begründet die immer teuerer werdenden Tickets mit gestiegenen Energiepreisen.

Verbände wie der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnen die Erhöhung als grundlos und verweisen auf steigende Umsätze und Erlöse im Fernverkehr. Teurer werden auch die Bahncards. Der Preis für die »Bahncard 25« in der 2. Klasse steigt von 59 auf 60 Euro, der Preis der »Bahncard 50« von 240 auf 247 Euro.

Die Preiserhöhung überschattet natürlich auch den Verkauf der bereits genannten »Jubiläums-Bahncard«. Für nur 20 Euro erlaubt sie vier Monate lang um 25 Prozent ermäßigte Normalpreise und Sparangebote des Fernverkehrs. Sie ist bis zum 30. November erhältlich. Doch es heißt aufzupassen, denn nach Ablauf der vier Monate geht sie in ein reguläres »Bahncard-25«-Abo über, wenn sie nicht spätestens sechs Wochen vor Ende der Gültigkeitsdauer gekündigt wird.

Zur Zeit besitzen 4,8 Millionen Menschen eine der Bahncard-Varianten. Rekordverdächtig ist das nicht, denn damit benutzt nur knapp jeder 16. Bundesbürger eine Bahncard. Dagegen hat rund jeder dritte Schweizer die dortigen Bahncard-Varianten: das »Halbtax«, das auf allen Verkehrsmitteln gilt, oder das Generalabonnement. In Österreich sind immerhin 18 Prozent der Bevölkerung mit einer Bahn-Rabattkarte unterwegs.

Dass die Bahncard hierzulande so wenig Zuspruch hat, liegt auch daran, dass fast nur die Deutsche Bahn - anders als ihre Wettbewerber - Vergünstigungen bietet, dass die Fahrpreisermäßigung Reservierungen, Nachtzugaufschläge und den ICE-Sprinter ausschließt. Auch lassen verschiedene Verkehrsverbünde und Eisenbahngesellschaften die Bahncard im Nahverkehr nicht gelten. In der Folge konzentriert sich die Bahncard-Kundschaft zu je einem Drittel auf Bayern und Baden-Württemberg, wo - noch - ein dichtes Netz von Fernzügen besteht.

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