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»Mein Ganges, mein Delfin«

Keine Entwarnung nach erster Zählung der Zahnwale in Indiens heiligem Fluss

Seit einer Woche tagt im indischen Hyderabad die 11. UN-Artenschutzkonferenz. Das Gastgeberland zeigt exemplarisch, wie groß die Probleme sind. Beispiel Gangesdelfin.

Unter dem Motto »Mein Ganges, mein Delfin« erfolgte in der ersten Oktoberwoche im indischen Unionsstaat Uttar Pradesh eine Zählung der Ganges-Delfine (Platanista gangetica), kombiniert mit einer Aufklärungskampagne für den Schutz des extrem bedrohten Säugers. Auf 2800 Kilometern Länge zählte man in den Flüssen Ganges, Jamuna, Son, Ken, Betwa, Shagra und Geruwal 671 Tiere, 71 mehr als im Jahre 2005.

Doch zur Entwarnung besteht kein Anlass, denn die 1982 in Indien ermittelte Population von rund 5000 Exemplaren hat sich bis heute halbiert. Laut Sandeep Behera von der Umweltstiftung WWF India sterben pro Jahr noch immer zwischen 130 und 160 der Süßwasserdelfine. Bedroht sind die fast blinden Säuger durch Zerstörung ihres Habitats (Bau von Dämmen, Schleusen und Kanälen), durch extreme Gewässerverschmutzung sowie durch Fischer.

Rupak De, Chef-Forstkonservator von Uttar Pradesh, wertete die Aktion der 18 Nichtregierungsorganisationen als Erfolg. Sie sei gewiss ein großartiger Anfang zum verstärkten Schutz dieser Zahnwalart. Der Ganges-Delfin war am 5. Oktober 2009 als besonders schutzbedürftig von Premierminister Manmohan Singh offiziell zum »Nationalen Wassertier« erklärt worden. In Uttar Pradesh soll nun nach der Zählung ein Aktionsplan zur Rettung der Delfine erarbeitet werden. Im benachbarten Unionsstaat Bihar plant man ein »Delfin-Beobachtungszentrum« am Ganges in der Nähe von Patna, mit dem man Schutzmaßnahmen mit touristischen Zwecken verbinden will.

Platanista gangetica lebt in den Flusssystemen des Ganges-Brahmaputra-Meghna und des Sangu-Karnaphuli, also auch grenzüberschreitend. Zusammen mit dem Bestand in Bangladesch und Nepal gibt es insgesamt noch etwa 3000 Tiere. Die männlichen Delfine werden bis 2,12 m lang, die weiblichen bis 2,70 m. Die weiblichen werden bis zu 150 Kilo schwer und mit zehn Jahren geschlechtsreif. Sie haben eine Tragezeit von neun bis zehn Monaten. Die Kälber sind bei der Geburt durchschnittlich 70 Zentimeter lang und wiegen vier Kilo. Der Delfin-Experte Ravindra Kumar Sinha von der Universität Patna verwies in einem Interview für die Zeitung »Deccan Herald« auf weitere Flussdelfinarten, die im Indus, im Amazonas sowie im Rio de la Plata leben.

Mit »Mein Ganges, mein Delfin« hoffen die Tier- und Naturfreunde, frischen Wind in Indiens Gewässerschutz zu bringen. Denn der Lebensraum der Zahnwale gleicht an manchen Abschnitten, vor allem in der Nähe der großen Städte, die leider noch zu oft ihre Abwässer unbehandelt in den heiligen Strom der Hindus leiten, einer Kloake.

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