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Verruchte Liebe

Philippe Besson: Venice Beach

Einen Liebesroman der Sonderklasse gilt es anzuzeigen: Philippe Besson hat mit »Venice Beach« den Gegenentwurf zu »sex and crime« geschrieben. Es geht zwar auch um Sex - Homo-Sex in diesem Falle -, aber in erster Linie um Liebe. Ein unbescholtener, eher biederer und verheirateter Polizeioffizier aus Los Angeles verliebt sich in einen bildschönen Schauspieler, der des Mordes verdächtig ist. Anstatt ihn zu verhören erhört er ihn, verrät seine schwangere Frau, sein Gelübde als Beamter, seinen besten Kollegen. Die beiden Männer leben ein paar Wochen intensivste Liebe und wissen, dass es nicht gutgehen kann. Die Treue zueinander und die Opfer, die sie sich gegenseitig bringen, bewegen. Die Opfer, die sie hinterlassen, empören ebenso. Beides hat so gut wie nichts miteinander zu tun, weil ihre Liebe gegen alle Vernunft oder Moral steht.

Der 1967 geborene Philippe Besson lebt in Paris. Er ist dem deutschen Publikum vor allem durch seinen von Patrice Chéreau verfilmten Roman »Sein Bruder«, aber auch durch seinen in ähnlichem Milieu spielenden Roman »Eine italienische Liebe« oder durch den Tagebuch-Roman »Brüchige Tage« bekannt. Immer geht es um Gefühle, die stärker sind als die empfindenden Personen. Immer steht eine ausgefeilte Dramaturgie für eine literarische Dimension von Spannung. Es geht Besson in »Venice Beach« nicht um die Spannung, wie die unmögliche Liebe ausgeht. Das ist ziemlich schnell klar, der Autor verrät es in kleinen Andeutungen, in Nebensätzen, die er nicht besonders versteckt sondern voller Ironie kleinschreibt, obwohl sie das große Drama betreffen.

Es gibt Momente, da möchte man den Roman nicht weiterlesen, weil die Schönheit der verruchten Liebe eigentlich unerträglich ist. Aber man kann auch nicht aufhören, ebenso wenig wie der Polizeiinspektor den Verrat an seinem eigenen Leben beenden kann, um den Geliebten nicht zu verraten. Intensiver kann man eine solche Liebe aus heiterem Himmel nicht erzählen, verstörender kann der Ausblick auf das, was Liebe alles anrichten kann, nicht sein. Ein paar Stunden Leseabenteuer in den Grenzgebieten der menschlichen Existenz. Zwei Männer werden zu Helden der Liebe, nachdem sie zu Mördern und Verrätern geworden sind. Gegenseitig können sie sich nicht von Unmenschlichkeit abhalten, weil sie für den Anderen eine übermenschliche Treue bewahren.

Philippe Besson: Venice Beach. Roman. Aus dem Französischen von Caroline Vollmann. dtv premium. 180 S., brosch., 14,90 €.

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