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Der Landarzt ist ein Pole

In Brüssow eröffnete Marcin Florczak aus Szczecin seine zweite uckermärkische Praxis

  • Von Steffi Prutean, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Aufatmen in Brüssow in der Uckermark. Die seit vier Jahren geschlossene Landarztpraxis ist wieder offen. Während der Sprechstunde parkt immer ein polnisches Auto dort.

Heide Schmidt fährt öfter mal rüber, von ihrem Wohnort ins zwei Kilometer entfernte Klockow. Die 71-jährige Ärztin besucht dann ihre frühere Praxis, die seit Sommer ein polnischer Arzt leitet. »Ich habe kürzlich mal eine Stunde im Wartezimmer gesessen«, berichtet Schmid. »Ich freue mich immer, wenn ich meine Patienten sehe.« Auch zu ihrem Nachfolger, Marcin Florczak aus Szczecin hat sie ein gutes Verhältnis. Nach Klockow übernahm der Pole am Mittwoch noch die Praxis in Brüssow, die vier Jahre leer stand.

Beide Dörfer liegen im nordöstlichen Zipfel der Uckermark. Es handelt sich um einen strukturschwacher Landstrich mit vielen älteren Menschen und Hartz-IV-Empfängern. Schmidt engagierte sich dort 37 Jahre als Landärztin, zuletzt in Klockow, und ist glücklich, einen Nachfolger gefunden zu haben. »Ich habe sogar etwas länger gearbeitet, bis er alle notwendigen Unterlagen beisammen hatte«, verrät sie. »Es wäre für mich furchtbar gewesen, zu gehen, ohne dass die Leute versorgt sind.«

Auch in Brüssow herrscht Erleichterung. »Es ist wichtig für den Standort und vor allem für die Versorgung der älteren Bürger«, sagt Amtsdirektor Detlef Neumann. Ein zweiter Arzt im Ort konnte nicht alle Patienten der aufgegebenen Praxis übernehmen. Etwa 100 bis 120 Hausarztpraxen im Bundesland sind frei, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg. Im Schnitt seien etwa 23 Prozent der Hausärzte 60 Jahre oder älter, sagt Sprecher Ralf Herre. Bei den Fachärzten sehe es etwas besser aus.

»In Deutschland ist die Medizin sehr gut organisiert«, findet der neue Landarzt Marcin Florczak. Seine Arbeit gefalle ihm gut. »Die Patienten sind nett und angenehm, ich bin zufrieden.« Eigentlich wollte der 40-Jährige gern in Berlin arbeiten, doch ist das zu weit von Szczecin entfernt, wo seine Frau mit dem Baby wohnt. Er fand die Stelle in der Uckermark und pendelt täglich. Die Praxen gehören zur Medizinischen Versorgungszentrum Prenzlau GmbH, einem Unternehmen im GLG-Verbund, der wiederum gute Verbindungen zur Berliner Charité hat.

Die GLG - Gesellschaft für leben und Gesundheit GmbH ist nach eigener Einschätzung das größte Gesundheitsunternehmen im Nordosten Brandenburgs. Träger sind die Landkreise Barnim und Uckermark und die Stadt Eberswalde. Internist Florczak betont: »Für mich ist es wichtig, dass ich mich entwickeln kann.« Er wolle sich zum Kardiologen und Angiologen ausbilden lassen und seine Doktorarbeit beenden.

Entlang der deutsch-polnischen Grenze gebe es Krankenhäuser, in denen fast ein Drittel der Ärzteschaft aus dem Ausland stamme, berichtet Herre. »So eine Dimension ist es im ländlichen Bereich nicht, auch weil die Situation eine andere ist.« In der eigenen Praxis müsse sich der Arzt mit Personal und Patienten fließend verständigen können. »Da kommt es auf die Feinheiten der Sprache an.« Im Krankenhaus habe der Mediziner ein Team um sich.

Herre erwähnt auch Qualifikationshürden. Ein ambulant tätiger Mediziner müsse einen Facharztabschluss haben, sagt er. »Die Anerkennung in Deutschland ist schwierig.« Oftmals seien Nachprüfungen notwendig, was zwei bis drei Jahre dauern könne. »Deshalb gehen ausländische Ärzte zumeist in Krankenhäuser.« Dort könnten sie sich über Jahre weiterbilden.

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