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Klinik als Gewächshaus

Krankenhausinfektionen werden nicht konsequent genug bekämpft

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Immer wieder sterben Patienten an gefährlichen Krankenhauskeimen. Obwohl denen offenbar nur sehr schwer beizukommen ist, könnten die Erfolge bei der Bekämpfung größer sein, sagen Kritiker.

Schon die Zahlen machen ein Problem deutlich: Je nach Verfasser schwanken die Angaben über die Anzahl der Patienten, welche sich in Krankenhäusern mit schwer zu bekämpfenden Erregern infizieren und über die Anzahl jener, die daran sterben. Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung von 400 000 bis 600 000 Ansteckungen und 15 000 Toten im Jahr spricht, geht die Patientenvertretung vom Gemeinsamen Ausschuss von Ärzten und Krankenkassen (GBA) von doppelt so vielen Todesfällen aus, einige Quellen nennen gar 60 000 Opfer jährlich. Laut Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) infizieren sich von den etwa 18 Millionen Patienten in Deutschland mindestens vier, eher aber fünf Prozent, also 900 000 Menschen, im Krankenhaus mit Keimen.

Transparenz in Sachen Krankenhaushygiene ist aber mitnichten geplant, wie die GBA-Patientenvertreter bereits im Frühjahr 2012 erfuhren. Damals wurde ihr Antrag auf eine öffentliche Beratung auf Antrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft verhindert. »Seit Jahrzehnten wird das Thema in Deutschland sträflich vernachlässigt«, kritisiert Wolf-Dietrich Trenner. Die Qualitätssicherung im Bereich Krankenhaushygiene wurde demnach nicht vorangebracht, sondern eher behindert. So hätten von geschätzten 225 000 Wundinfektionen im Krankenhaus für eine Analyse nur etwa tausend untersucht werden können, weil die Krankenhäuser erfolgreich interveniert hätten.

Mit einer Gesetzesnovelle hatte der Bundestag im Sommer das Infektionsschutzgesetz geändert, um die Zahl der Krankenhausinfektionen zu reduzieren. Experten und Fachverbände kritisierten allerdings, das alles sei zu kurz gegriffen und lückenhaft geblieben. So gibt es weiterhin keine Meldepflicht für Infektionen aus dem Krankenhaus und keine wirksamen Sanktionen bei der Nichteinhaltung von Hygienestandards.

Die Gründe für die Verbreitung verschiedenster Erreger, von denen der multi-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), einer der bekannten ist und der gegenwärtig in der Berliner Charité aufgetretene Serratia einer der weniger bekannten, sind vielfältig. Einer der wichtigsten dürfte die verstärkte Resistenzenbildung einiger Keime gegen Antibiotika sein, so dass sie schlecht bekämpft werden können. Damit in enger Verbindung stehen der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast, die Freiverkäuflichkeit dieser Medikamente in einigen Ländern und die daraus resultierende mangelnde Kontrolle ihres Gebrauchs, aber auch die von vielen Ärzten beklagte ungenügende Erforschung neuer Antibiotika.

Mangelnde Hygiene dürfte ebenfalls mit im Spiel sein, wenn Orte der Krankheitsbekämpfung zum Gewächshaus für Keime werden. Das denkt jedenfalls der Hygieniker Klaus-Dieter Zastrow. Mindestens die Hälfte der Krankenhausinfektionen, sagte er vor Monaten in einem Zeitungsinterview, ließe sich vermeiden, wenn die Hygieneregeln besser eingehalten würden, sich Pflegende also jedes Mal vor und nach dem Kontakt mit dem Patienten die Hände desinfizieren würden.

In der Regel weisen Klinikchefs den Vorwurf mangelnder Hygiene zurück, sie beteuern aber auch gleichzeitig immer wieder, signifikante Verbesserungen auf diesem Gebiet hätten mehr Personal und damit Kostensteigerungen für die Krankenkassen zufolge. Arbeitsverdichtung, Personalabbau und Mangel an Pflegekräften hält aber die LINKE beispielsweise für normale Begleitumstände des Wettbewerbs im Gesundheitswesen. Durch das damit verbundene Gewinnstreben könne es auch künftig zu Hygiene- und Behandlungsskandalen kommen, hatte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Martina Bunge, bereits im Sommer vermutet und leider Recht behalten.

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