Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Geschwister an der Sonnenallee

Ex-Branchenprimus Q.Cells versucht Neustart mit koreanischem Eigentümer / Thalheim soll Forschungszentrale bleiben

  • Von Hendrik Lasch, Thalheim
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein halbes Jahr nach der Insolvenz versucht die Solarfirma Q.Cells den Neustart. Der neue koreanische Eigentümer Hanwha will bereits 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Bändchen hat Reiner Haseloff bereits viele durchgeschnitten. Weiße Handschuhe trug der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt bei einer solchen Zeremonie aber zum ersten Mal. In Asien gehört derlei Bekleidung bei Festakten zum Protokoll, und das Solar Valley, der größte Solarstandort Ostdeutschlands, ist am Mittwoch ein gutes Stück in Richtung Fernost gerückt: Der Ex-Branchenprimus Q.Cells gehört jetzt auch offiziell zum südkoreanischen Hanwha-Konzern und firmiert ab sofort unter dem Etikett Hanwha Q.Cells - mit Punkt, nicht mehr mit Bindestrich.

An der Sonnenallee, die durch das Gewerbegebiet von Thalheim (Stadt Bitterfeld-Wolfen) führt, ist die Erleichterung spürbar. Im April musste Q.Cells Insolvenz anmelden; Gründe waren der Konkurrenzdruck aus China und die unsichere Zukunft der Solarbranche in Deutschland ebenso wie eigene unternehmerische Entscheidungen. 1500 Arbeitsplätze standen auf der Kippe, ein Teil davon in einem Werk in Malaysia, die meisten aber in Sachsen-Anhalt.

Dass sich mit Hanwha ein Investor gefunden hat, lässt deshalb auch Regierungschef Haseloff jubeln. Der CDU-Mann nennt den Einstieg des Konzerns, der im Chemie-, Logistik- und Rüstungsbereich ebenso tätig ist wie als Hotelbetreiber und Eigentümer einer Baseballmannschaft, einen »außerordentlichen Glücksfall«. Er sei zudem ein Signal für die gesamte deutsche Branche. Q.Cells gehöre jetzt zur weltweiten Nummer drei. Das sei eine »hervorragende Voraussetzung, um auf dem Weltmarkt zu bestehen«. Haseloff, sonst eher als nüchterner Verwaltungsmensch bekannt, wurde sogar poetisch: Hanwha und Q.Cells seien »wie zwei Geschwister«.

Die Neueigentümer fühlen eher Respekt als Geschwisterliebe für das deutsche Unternehmen. Dessen Qualitätsstandards sowie die Forschungsarbeit sollten Maßstäbe für die gesamte Solarsparte des Konzerns setzen, zu dem auch die Tochter Hanwha SolarOne gehört. Beide Firmen sollten zunächst juristisch getrennt bleiben, sagt der Chef der neuen Tochter, Charles Kim. Man wolle aber Synergieeffekte nutzen. Langfristig sollen die Töchter zu einer Firma werden.

Die gute Botschaft für Sachsen-Anhalt lautet: Die Forschung bleibt in Thalheim konzentriert; Hanwha will jährlich 20 Millionen Euro investieren. Auch die meisten Jobs bleiben erhalten: 750 der früheren 950 an der Sonnenallee, 1300 im gesamten Unternehmen. Haseloff betont, die Q.Cells-Forschungsabteilung gehöre zu den größten im Land. »Wenn wir das alles am Netz halten könnten«, sagt er, »wäre das ein Riesenerfolg.«

Bei Q.Cells ist man wieder optimistisch - trotz der chinesischen Konkurrenz. Es gebe zwei Wege zum Überleben, sagt der langjährige Q.Cells-Manager Andreas von Zitzewitz: mit »massiver Unterstützung eines ungenannten Landes, das nicht Deutschland heißt«, oder als Teil eines »starken Konglomerats«. Bei Q.Cells hofft man, in den richtigen Händen gelandet zu sein. Chinesische Unternehmen, die dank massiver Staatshilfen Preise unterhalb der Herstellungskosten bieten könnten, würden das nicht auf Dauer durchhalten, meint Kim. Dann kämen Unternehmen zum Zug, die über die beste Technologie verfügten.

Ins Geschäft soll Q.Cells, dessen Anlagen zuletzt nicht ausgelastet waren, schnell wieder zurückkehren: Kim kündigte an, das Unternehmen solle 2013, spätestens 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Aktie half das zunächst nur wenig: Sie verharrte bei rund drei Cent. Ende 2007 waren es einmal mehr als 75 Euro.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln