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Auch Tiere zieht es nach Berlin

Rund 30 000 verschiedene Arten leben in der Hauptstadt

  • Von Markus Geiler, epd
  • Lesedauer: 2 Min.

In Berlin sagen sich Fuchs und Hase schon lange »Gute Nacht«. Die Metropole ist Einwanderungsstadt, auch für Tiere. Zwischen 20 000 und 30 000 Tierarten leben bereits hier, mehr als in manchem ausgewiesenen Naturschutzgebiet. Vereinfacht kann man sagen, der Hase ist ein Ossi und das Wildkaninchen eher Wessi. 22 Jahre nach Mauerfall gibt es in Berlin wieder Bereiche, wo eine unsichtbare Demarkationslinie durch die Stadt verläuft. Zum Beispiel bei Hase und Wildkaninchen. Letzteres tummelt sich in Größenordnungen in Parks wie dem Tiergarten, Vorgärten oder auf Grünstreifen vorwiegend in den Westbezirken der Bundeshauptstadt.

Seit etwa 15 Jahren beobachten Naturschützer nun auch den Vormarsch des Feldhasen in die Bundeshauptstadt. Er kommt von Osten und richtet sich in den Ostberliner Stadtbezirken ein. Besonders zwischen den Wohnsilos der Plattenbaubezirke Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg ist er in den frühen Morgenstunden zu beobachten, berichtet der Säugetierexperte des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Dieter Köhler. Vereinzelt wagten sich Tiere auch bereits in das Stadtzentrum vor. Erste Exemplare wurden im Tiergarten und am Berliner Hauptbahnhof gesichtet.

Konkrete Zahlen über die Bestände von Wildkaninchen und Hase in Berlin nennen die Experten nicht. Das lasse sich nicht seriös erfassen, heißt es beim Naturschutzbund. Schätzungen gehen von Tausenden Wildkaninchen und ein paar hundert Hasen aus.

»Mittlerweile ist der Feldhase in den Berliner Wohnsiedlungen eher zu beobachten als im angrenzenden Land Brandenburg«, sagt Köhler. Was ihn zwischen Wohnbebauung, Parkplätzen und Ausfallstraßen zieht, findet er auf dem durch Monokultur geprägtem Land häufig schon lange nicht mehr vor: Eine vielfältige Flora mit großen Grün- und Brachflächen, die seit Jahrzehnten weder Dünger noch Gülle gesehen haben und deshalb abwechslungsreiche, saftige Nahrung bieten. Auch muss der Hase, der seine Brut in einem Versteck auf dem Boden aufzieht, hier nicht fürchten, dass die Jungen von einem plötzlich auftauchenden Traktor überfahren werden.

Berlin ist mittlerweile die artenreichste Großstadt Europas. Hier lebt Tür an Tür mit dem Menschen alles vom Waschbär über den Falken bis zum Wildschwein und Biber. Von den Millionen Ratten ganz zu schweigen.

Die Zahl der Füchse in der Bundeshauptstadt wird derzeit auf rund 1600 geschätzt, Tendenz steigend. Wer abends in der Berliner Innenstadt spazieren geht, kann sie leicht auf der Straße antreffen. Sie sind nicht scheu, aber vorsichtig und sehen zumeist sehr gepflegt aus. Der prominenteste unter ihnen ist der sogenannte Kanzleramt-Fuchs. Sein Revier ist das Zentrum der Macht, seine Nachbarin heißt Angela Merkel.

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