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»Es geht uns um den Schutz der Tideelbe«

Der Umweltverband BUND hat gegen die erneute Elbvertiefung geklagt

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Mitte Oktober stoppte das Bundesverwaltungsgericht per Einstweiliger Verfügung die geplante »Neunte Elbvertiefung«. Vor dem Ausbaggern müssten Gewässer- und Artenschutzfragen geklärt werden. Kläger sind BUND und NABU, die seitdem stärker als ohnehin zur Zielscheibe der Hafenwirtschaft wurden. Mit dem Hamburger BUND-Landesvorsitzenden Manfred Braasch sprach Folke Havekost.
Manfred Braasch
Manfred Braasch

nd: Wann veranstaltet der BUND eigentlich seinen nächsten Pflanzentauschmarkt in Hamburg?
Braasch: Der wird im Frühjahr 2013 von der Bezirksgruppe Wandsbek organisiert. Da treffen sich immer 40 bis 50 Leute und diskutieren alle Fragen rund ums Gärtnern. Pflanzen können auch getauscht werden. Das ist eine sehr nette Veranstaltung.

Gar nicht nett finden Ihre Kritiker, dass Sie sich nicht auf »Pflanzentauschmärkte und Fledermausführungen« beschränken, sondern auch gegen die geplante Vertiefung der Tideelbe beim Hamburger Hafen klagen. Warum dieses Engagement?
Wir sind ein breit aufgestellter Verband mit vielen aktiven Mitgliedern, die verschiedene Akzente setzen. Dazu gehört der Schutz von Streuobstwiesen genauso wie Umweltbildung für Kinder, aber eben auch die Auseinandersetzung über Infrastrukturmaßnahmen. Der Leitantrag des Vorstands zur Elbvertiefung wurde im Frühjahr 2012 einstimmig angenommen. Es geht um einen sehr wertvollen Lebensraum. Auch im europäischen Maßstab ist die Tideelbe von Bedeutung, was sich daran zeigt, dass fast der gesamte Raum unter Naturschutz steht.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Bagger zunächst gestoppt, bis in einem Hauptsacheverfahren entschieden worden ist. Damit haben Sie zwei bis vier Jahre gewonnen, aber rechnen Sie sich ernsthaft Chancen aus, die Vertiefung zu verhindern?
Unser Ziel ist keine Verfahrensverzögerung, letztendlich wollen wir gewinnen und etwas für die Elbe erreichen. Wir haben viel Kompetenz eingebunden und Argumente zusammengetragen. Der Trend an der Tideelbe ist jetzt schon nicht gut: Seit der letzten Elbvertiefung 2000 haben sich die Sauerstoffwerte verschlechtert. Schlickwatte verwandeln sich in Sandwatte, die Zunahme der Strömungsgeschwindigkeiten beeinträchtigt die Fischfauna und der Hamburger Hafen schlickt immer weiter zu. Der Dauerstress fürs ökologische System steigt. An der Ems sehen wir, dass solche Systeme kippen können, in den Sommermonaten messen wir dort eine sehr krasse Sauerstoffsituation. In Richtung solcher Kipppunkte entwickelt sich auch die Tideelbe. Zumal wir gegenüber der letzten Elbvertiefung 2000 jetzt über die dreifache Baggermenge reden.

Es gibt Vorwürfe, mit dem öffentlichkeitswirksamen Protest wolle der BUND nur Spenden gewinnen ...
Effekthascherei liegt dem BUND fern. Nach dem europäischen Naturschutzrecht sollten wir etwas für die Verbesserung der Tideelbe tun. Die geplante Elbvertiefung konterkariert das. Aber natürlich verursachen solche Klageverfahren viel Arbeit und hohe Kosten. Dafür nehmen wir Spenden auch gerne an, aber unser Ziel ist es, die Natur zu schützen.

Welche Reaktionen erfahren Sie aus der Politik?
Sehr unterschiedliche: Von sehr holzschnittartigen Vorwürfen wie »Neinsager« oder »Arbeitsplatzvernichter« bis zu differenzierten Positionen, ob es wirklich so sinnvoll ist, die Elbe immer weiter zu vertiefen. Dass es auch politische Schaumschläger gibt, gehört dazu. Aber es gibt keine universelle Front gegen das Klagebündnis aus BUND und NABU.

Die SPD regiert seit 2011 mit absoluter Mehrheit. Sind Sie der einzige, der Bürgermeister Olaf Scholz in Gefahr bringen kann?
Wir haben bei uns noch eine Pressemitteilung von Scholz’ Vorvorgänger Ole von Beust liegen, in der es heißt: Ab 2008 wird gebaggert! Uns geht es nicht um die Gefährdung von Regierungen oder einzelnen Politikern, sondern um den Schutz der Tideelbe.

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