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»Voodoo« in Tempelhof

Gutachten: 300 Millionen Euro Schaden, wenn auf dem Flugfeld nicht gebaut wird

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Würde das ehemalige Flugfeld in Tempelhof an den Rändern nicht bebaut, entstünde innerhalb von 50 Jahren ein volkswirtschaftlicher Schaden von knapp 300 Millionen Euro. Dies hat das Forschungsinstitut Empirica im Auftrag der Tempelhof Projekt GmbH und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung errechnet. Der Senat will sich damit für das Volksbegehren wappnen, das die Bürgerinitiative »100 Prozent Tempelhofer Feld« gegen die Bebauung der Freifläche vorbereitet.

Interessant ist, wie in dem Gutachten die hohen gesellschaftlichen Kosten einer kompletten Freihaltung der Fläche ermittelt werden. Es geht davon aus, dass in Berlin gebaut werden muss. Denn die Stadt wächst - »die Zahl der Einwohner, Beschäftigten und Kneipen«, so Harald Simons von Empirica. Also müssen Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen. Wenn nicht auf dem Tempelhofer Feld, dann woanders. Innerhalb des S-Bahn-Ringes seien dafür aber kaum noch Flächen vorhanden, sagen die Gutachter. Also müsse weiter draußen gebaut werden auf Flächen, die »im Mittel doppelt soweit vom Stadtzentrum, entfernt« wären wie das Tempelhofer Feld.

Dessen Besonderheit sei ja gerade seine Zentralität. Würden nun die hier geplanten 4650 Wohnungen für über 8600 Menschen sowie Gewerbeflächen für 7750 Arbeitsplätze woanders entstehen, würde das mehr Verkehr, Lärm, Schadstoffe, Staus und Unfälle bedeuten, so die Gutachter. Allein an privaten Kosten durch zusätzliche und längere Autofahrten kämen 68 Millionen Euro zusammen, beim öffentlichen Verkehr 296 Millionen.

Berechnet wurde aber auch die Kosten, die sich aus der Bebauung der Randflächen des Parks für die Bevölkerung ergeben würden. Der Verlust eines Teils der Grünfläche schlägt mit einem »Freizeitschaden« von 68 Millionen Euro zu Buche. Bliebe unterm Strich immer noch ein Gewinn für die Gesellschaft von 298 Millionen Euro - hochgerechnet auf 50 Jahre, aber »sehr, sehr vorsichtig«, wie Simons betonte. Man habe immer die niedrigsten Werte angesetzt, ein wenig »im vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Kritik, die da kommen könnte«.

Doch die kann das Gutachten auch nicht mit »niedrigsten Werten« besänftigen. Die Grünen sprachen von »Voodoo-Berechnungen«. Das Gutachten sei ein durchsichtiger Versuch des Senats, eine Bebauung auf dem Tempelhofer Feld zu rechtfertigen, so die Stadtentwicklungspolitische Sprecherin Antje Kapek. Rot-Schwarz wolle mit fiktiven Verkehrsströmen von fiktiven Bewohnern den Erhalt der Freifläche teuer rechnen und das Volksbegehren torpedieren. »Berliner, die für Freizeit und Erholung nicht das Tempelhofer Feld nutzen können, sondern ins Umland pendeln müssen, kosten die Stadt mindestens ebenso viel Geld.«

Die Bürgerinitiative nimmt das Gutachten gelassen. »Es ist lächerlich, die Kosten nur auf den Verkehr zu reduzieren und zum Beispiel die Sozialkosten, die durch die Verdrängung der Mieter aus den aufgewerteten Randgebieten entstehen, auszublenden«, so Sprecher Hermann Barges. Außerdem werde die Entwicklung des Gebietes den Landeshaushalt mit 160 Millionen Euro belasten. Der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, Gerhard Steindorf, dagegen widerspricht: »Wir werden nach dem Verkauf der Grundstücke einen geringen Überschuss haben.«

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