Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Frankfurter U-Bahn Schläger

Vorwurf an Polizei: rassistische Prügelattacke gegen Afro-Deutschen

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.
Meldungen über ein gewaltsames Vorgehen von Frankfurter Polizisten gegen einen aus Äthiopien stammenden deutschen Staatsbürger lösen heftige Kritik aus und werden im hessischen Landtag ein parlamentarisches Nachspiel haben.

Für Aufsehen und Empörung sorgt in Hessen ein Zeitungsbericht über die Behandlung des 41-jährigen Diplom-Ingenieurs Derege Wevelsiep durch Frankfurter Polizeibeamte und U-Bahn-Kontrolleure. Darin wirft Wevelsiep, der als Jugendlicher in Äthiopien die Verschleppung seiner Eltern erlebt hatte und wenig später von einem hessischen Ehepaar adoptiert worden war, den Polizeibeamten rassistisch motiviertes Handeln und Prügelattacken vor.

Mit Verstärkung ins Krankenzimmer

Wevelsiep befand sich nach dem Bericht der »Frankfurter Rundschau« am späten Abend des 17. Oktober mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen dreijährigen Sohn in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause. Weil er noch eine dringende Angelegenheit zu erledigen hatte, verabschiedete er sich von den beiden unterwegs und sagte zu, er werde zügig zur gemeinsamen Wohnung kommen. Der Frau gab er seine Monatskarte, die ab 19 Uhr auch Begleitpersonen zur Mitfahrt berechtigt. Kurz zuvor hatten Kontrolleure den Fahrschein ohne Beanstandung geprüft. Wenige Minuten später teilt ihm die Lebensgefährtin per Handy mit, dass sie in einem nahen U-Bahnhof von Kon- trolleuren festgehalten und als Schwarzfahrerin beschuldigt werde. Derege Wevelsiep war nach wenigen Minuten zur Stelle. »Ihr seid hier nicht in Afrika«, habe eine Kontrolleurin der örtlichen Verkehrsgesellschaft gesagt und behauptet, dass ein »anderer Afrikaner«, den er nicht kenne, rechtswidrig auf der Monatskarte mitgefahren sei.

Die Situation eskalierte vollends, als Wevelsiep den herbeigerufenen Polizisten aus dem nahen 6. Polizeirevier nicht seinen Personalausweis, sondern lediglich einen Firmenausweis des Arbeitgebers zeigen konnte. Die Polizisten hätten ihn gegen die Wand gedrückt, abgeführt, als »dummen Schwätzer« bezeichnet, gefesselt, mit der Faust in Gesicht, Brust und Niere geschlagen und gegen das Knie getreten, so seine Schilderung. Wenig später hätten die Beamten sich Zutritt zu seiner Wohnung verschafft und nach einer Durchsuchung der Räume den Ausweis einfach mitgenommen.

Die Lebensgefährtin habe ihn bewusstlos vorgefunden und die Einlieferung ins Krankenhaus veranlasst. Dort hätten zwei Polizisten ihn am anderen Morgen aufgesucht und zu einer Aussage zwingen wollen. Er lasse sich »nicht verarschen«, habe ihm ein Polizist ins Gesicht gerufen, als er mit Hinweis auf seinen Gesundheitszustand nicht aussagen wollte. Die Beamten hätten die Klinik erst auf Druck des Geschäftsführers verlassen und seien kurz darauf mit Verstärkung durch zwei weitere Kollegen in das Krankenzimmer zurückgekehrt. Im Befund der Klinik ist von Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit und mehreren Prellungen die Rede.

Strafanzeige gegen Polizisten

Wevelsieps Rechtsanwalt hat inzwischen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs, Beleidigung, Körperverletzung und Körperverletzung im Amt gestellt. Im Wiesbadener Landtag verlangt die Opposition eine gründliche Aufarbeitung der Vorfälle und eine Stellungnahme von Innenminister Boris Rhein (CDU) im Innenausschuss des Parlaments, der in der kommenden Woche tagt. »Der Vorgang muss lückenlos aufgeklärt werden, der Vorwurf der Misshandlung eines Mannes wegen seiner Hautfarbe ist unerträglich«, so der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich.

Sollten die Vorwürfe auch nur ansatzweise zutreffen, dann seien nicht nur dienst- und strafrechtliche Konsequenzen notwendig, meint Hermann Schaus von der Linksfraktion. Er forderte eine Debatte darüber, wie rassistisch motiviertes Denken und Handeln in deutschen Amtsstuben zurückgedrängt werden könne. »Der Vertrauensverlust in die deutschen Sicherheitsbehörden ist durch die NSU-Affäre bereits gigantisch«, so Schaus. Es bleibe »eine zentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dem Rassismus- und Gewaltproblem in Deutschland glaubwürdig, schnellstens und entschieden zu begegnen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln