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»Roger Moore war mehr Dandy - ich der bessere Kämpfer«

  • Von Marc Hairapetian
  • Lesedauer: 6 Min.
Sein Name ist Connery. (Thomas) Sean Connery, doch die ganze Welt kennt und verehrt ihn als Bond. James Bond. Zum 50jährigen Jubiläum der Agenten-Serie gab der am 25. August 1930 in Edinburgh geborene Schauspieler und Oscar-Preisträger Marc Hairapetian bei einem privaten Kurzbesuch in Berlin ein exklusives Interview.
nd: Auch wenn Sie beim Fernsehfilm »Casino Royal« aus den 1950er Jahren mit Barry Nelson einen Vorgänger und später von Roger Moore bis Daniel Craig im Kino eine Reihe von Nachfolgern hatten und haben, gelten Sie als James-Bond-Darsteller schlechthin. Was bedeutet Ihnen das im Angesicht des 50jährigen Jubiläums der weltberühmtesten Agentenserie?
Sean Connery: Eine Menge. Ich bin gerührt, aber nicht geschüttelt! (lacht) Als wir vor 50 Jahren »James Bond jagt Doktor No« drehten, konnten wir bei weitem nicht ahnen, wie erfolgreich die 007-Filme werden würden. Ich dachte zuerst, ich würde nur einen schönen Urlaub auf Jamaika haben, aber dann hatte ich kurze Zeit später bezahlten Urlaub in aller Welt. Allerdings war es auch harte Arbeit, wie Sie sich denken können. James Bond scheint inzwischen unsterblich geworden zu sein - auch ohne mich. Er ist Teil meines Lebens - ihm verdanke ich meinen Durchbruch als Schauspieler, denn vorher war ich nur ein unbekannter Schotte, den viele meiner englischen Kollegen nicht ernst nahmen. Aber ich bin nicht James Bond - ich bin Thomas Sean Connery.

Sehen Sie sich den neuen Bond-Film »Skyfall« an?
Connery: Da komme ich nicht umhin. Der Trailer ist recht vielsprechend. Einen Setbesuch habe ich allerdings abgelehnt - ich wollte nicht die Aufmerksamkeit auf mich lenken. Die sollten in Ruhe arbeiten. Und ich bin sicher, dass Daniel Craig wieder alle überzeugen wird. Er hat eine neue Härte in die Reihe gebracht, die ich damals angedeutet hatte und die meinen Vorgängern abhanden kam oder nicht so wichtig war.

Das ist sehr nobel von Ihnen, hatte Daniel Craig sich doch vor einigen Jahren recht kritisch über sie als Bond-Darsteller geäußert.
Connery: Ach, das haben wir längst ausgeräumt. Das wurde von der Boulevardpresse nur künstlich aufgebauscht. Daniel sagte mir ehrlich, dass er mit Roger Moore als 007 aufgewachsen wäre - und das muss ich einfach respektieren. Roger hat das sehr charmant gemacht - er war mehr Dandy als ich, wie schon zuvor in »Die Zwei«, wo er er mit Tony Curtis ein hinreißendes Team gebildet hat. Ich war aber der bessere Kämpfer in den Bond-Filmen. Das glaube ich, kann ich mit Fug und Recht behaupten.

Wie sehr hat sich die Bond-Reihe im Lauf der Jahrzehnte geändert?
Connery: Na, das liegt doch auf der Hand. Es gab und gibt nicht nur andere Protagonisten und Bösewichte, sondern die Optik ist ganz anders. Wir hatten früher auch immer die neuesten technischen Spielereien, aber alles war real gedreht. Eine viel größere Herausforderung an Pyrotechniker und Filmarchitekten. Ken Adam, der ja auch für Filmgenie Stanley Kubrick arbeitete, hat für »Du lebst nur zweimal« 1967 mit dem in einem erloschenen Vulkan steckenden Weltraumbahnhof eines der größten Filmsets der Kinogeschichte geschaffen. Heute wird mit Digitaleffekten getrickst, aber die sehen meiner Ansicht nach nicht so überzeugend aus, wie wirklich gedrehte Aktion-Szenen. Auch wenn wir damals nur mit Platzpatronen geschossen haben. Geblieben ist, dass es fast immer bei den Gegenspielern um die Weltherrschaft geht. Waren Sie früher allerdings größenwahnsinnige Tyrannen und Militaristen können es heute Wirtschaftsbosse und Medienmogule sein. Da ist die Reihe sehr am Puls der Zeit - und das finde ich gut.

Was ist ihr Lieblings-James-Bond-Film?
Connery: Sie werden lachen - einer in denen ich nicht mitgespielt habe: »Im Geheimdienst ihrer Majestät« hat nach mehrmaligem Sehen einen sehr guten Eindruck auf mich hinterlassen. Sehr ernsthaft, sehr romantisch und tragisch, wenn Bonds Gattin Tracy, die von der umwerfenden Emma Peel, pardon, Diana Rigg gespielt wird, nach der Hochzeit von Ernst Stavro Blofelds Assitentin Irma Bunt erschossen wird. George Lazenby hat die Szene ja alternativ weinend gedreht, wenn er Tracy tot in seinen Armen hält. Doch damals hiess es: »Bond weint nicht.« Blödsinn! Der instrumentale Main-Title vom leider inzwischen verstorbenen John Barry ist mitreißend und passt perfekt zu den schwungvollen Ski- und Kampfszenen in der Schweiz. Lazenby war gut. Man hätte ihm eine weitere Chance geben sollen, doch dann wurde ich 1971 für »Diamantenfieber« reaktiviert. Sicher der schwächste Film der Reihe.

Warum?
Connery: Spannungsarm, albern und vor allem schwulenfeindlich! Mr. Wint und Mr. Kidd waren als Gegenspieler ein überzogen tuntiges Gespann, dass alle Homosexuellen nur als perverse, bösartige Schwachköpfe diffamierte. En bisschen schäme ich mich dafür, da mitgewirkt zu haben. Es war damals die Zeit der sexuellen Befreiung, doch der Schuss ging nach hinten los.

Und was ist der beste Bond-Film, indem sie mitgewirkt haben?
Auf jeden Fall »Du lebst nur zweimal«. Die teilweise unter Wasser und im Weltraum spielende Geschichte war packend, Donald Pleasance als Blofeld ein genialer Widersacher und gab es viele Gadgets, die mir gefielen. Zum Beispiel die schießende Zigarette, die mir Tiger Tanaka übergibt. Cool war auch der schwer bewaffnete Tragschrauber »Little Nelie«! Ich habe die Drehzeit in Japan und auf den Bahamas wirklich sehr genossen - alle waren dort waren so freundlich zu uns! Mit Akiko Wakabayashi als Aki und Mie Hama als Kissy Suzuki hatte ich wirklich die liebreizendsten Partnerinnen, die man sich nur vorstellen kann. Wussten sie dass Akiko zuerst die Rolle der Kissy Suzuki spielen sollte? Aber aufgrund ihrer internationalen Schauspielerfahrung zog sie ein modernes Mädchen denn einer traditionellen asiatischen Schönheit vor, musste allerdings dafür einen tragischen Filmtod in Kauf nehmen. Und Eure deutsche Schauspielerin Karin Dor war auch durch und durch eine hinreißend schöne Dame und liebenswerte Kollegin! Der beste Agentenfilm, der je gemacht wurde, ist aber »Der Spion, der aus der Kälte kam« mit Richard Burton als herunter gekommenen, desillusionierten britischer Geheimdienstler, der sich zur Zeit des Kalten Kriegs ein verbalen Schlagabtausch mit Oskar Werner als DDR-Vize-Abwehrchef liefert. So etwas wurde mir damals leider nicht angeboten. John Le Carré ist doch anspruchsvoller als Ian Fleming.

Sind Sie nicht auch ein wenig betrübt darüber, dass sie erst spät mit »Der Name der Rose« oder »Die Unbestechlichen« als Charakterschauspieler wahrgenommen wurden? Schließlich haben Sie schon 1965 in dem britischen Antikriegsfilm »Ein Haufen toller Hunde« brilliert.
Connery: Es freut mich sehr, dass Sie diesen Film von meinem ebenfalls verstorbenen Freund Sidney Lumet genannt haben. Er bedeutet mir sehr viel. Er war ganz anders als die Bond-Filme. Schwarzweiß im glühend heißen Spanien gedreht, dass den Schauplatz für ein Militär-Strafgefangenlager in Nordafrika im Zweiten Weltkrieg bilden sollte. Als der wegen eines Angriffs auf seinen Vorgesetzten degradierte Sergeant-Major Joe Roberts lehne ich mich gegen den von Ian Hendry fantastisch verkörperten sadistischen Sergeant Williams auf und prangere die Missstände im Lager an. Damals wollte man mich nur als Bond sehen, doch einige Kritiken waren gut. Heute ist der Film ein kleiner Klassiker, auf den ich stolz bin.

Gab es eigentlich etwas, was sie an den Bond-Filmen überhaupt nicht mochten?
Connery: Ja, dass ich ein Toupet tragen musste. Heute ist zum Glück ein kahles Oberhaupt kein Makel für Männlichkeit.

Sehen wir Sie noch einmal vor der Kamera? Harrison Ford will Sie angeblich für Indiana Jones 5 reaktivieren.
Connery: An sich habe ich ja 2005 meinen Rücktritt vom Film bekanntgegeben, doch man sollte - wie im Bond-Film mit meinem Freund Klaus Maria Brandauer - niemals nie sagen, wenn Geschichte und Gage stimmen.


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