Botschaftsbesetzung mit Folgen

Flüchtlinge am Oranienplatz erheben Gewalt- und Rassismusvorwürfe gegen Polizei

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie haben die Wahl. Im Wahllokal und bei ihrer Lieblingszeitung. Damit das so bleibt: Linken Journalismus bitte bezahlen!
Kampf ohne Machtbekenntnis

Was soll das hier?

Linker Journalismus – das ist der Luxus, zur Bundestagswahl nicht nur die überall gleichen Agenturmeldungen zu lesen, sondern das Koalitionsgerangel aus einer linken Perspektive kritisch zu beobachten und zu beurteilen. Wir zahlen Reportern einen korrekten Lohn, recherchieren aufwendig für profunde Hintergründe, sprechen mit unabhängigen Experten. Das alles kostet Geld. Wenn Ihre persönliche Lage es zulässt, freuen wir uns deshalb, wenn Sie die Lektüre dieses Textes mit einem frei gewählten Obolus honorieren – oder unser Blatt gleich gedruckt oder online abonnieren!

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...

»Zunächst war es eine friedliche Demonstration«, erinnert sich Augustine Nnaji Onyema. Gemeint ist die zeitweise Besetzung der nigerianischen Botschaft durch 20 Flüchtlinge am 15. Oktober. Mit der Aktion wollten die Flüchtlinge, die seit mehr als einen Monat auf dem Oranienplatz in einem Protestcamp leben, gegen die von Deutschland und Nigeria angeblich seit Jahren durchgeführte Abschiebepraxis protestieren. Erst gestern haben drei der an der Besetzung Beteiligten die Kraft gefunden, ausführlich über die Ereignisse zu berichten.

Patras Bwansi aus Uganda hätte beinahe selbst erfahren müssen, wie der nigerianische Staat mit deutschen Behörden kooperiert, um Flüchtlinge in das afrikanische Land abzuschieben. Als Bwansi in der Botschaft protestiert, sollen Angestellte ihm gedroht haben, auch er könne nach Nigeria abgeschoben werden. Flüchtlingsverbände erheben einen schweren Vorwurf: Immer wieder würden afrikanische Flüchtlinge zu Zwangsanhörungen vorgeladen, um ihre Identität festzustellen.

Dabei spiele es häufig keine Rolle, ob ein Flüchtling tatsächlich aus Nigeria stammt. Sobald ihm ein entsprechendes Ausweisdokument ausgestellt wird, erfolgt die Ausweisung. Augustine Nnaji Onyema, selbst Nigerianer, ist schockiert, mit welcher Brutalität die Polizisten den Protest in der Botschaft beendeten. Der junge Mann berichtet von schweren Misshandlungen. Er sei von den Beamten heftig geschlagen worden. Selbst als er bereits wehrlos auf dem Boden lag, sollen mehrere Beamte auf ihn eingetreten haben. Angeblich kamen auch Schlagstöcke zum Einsatz.

Als Beweis für seine Schilderungen deutet Augustine auf seine Handgelenke. Die Spuren der eingesetzten Kabelbinder sind noch deutlich zu erkennen. Erst Tage nach seiner Entlassung attestiert ein Arzt bei ihm einen angebrochenen Halswirbel. Bis heute hat er Schmerzen, ist in Therapie. Hinzu kommen die angeblichen rassistischen Äußerungen der Polizei. Der Nigerianer behauptet, ein Beamter hätte zu ihm gesagt, er könne hier ruhig sterben, da sich seine Regierung ohnehin nicht um ihn kümmere.

Von ähnliche Erlebnissen erzählt Hatef Soltani. Er war in der iranischen Opposition aktiv, bis er vor zwei Jahren nach Deutschland kam. In München gelandet, wurde Soltani in einer Würzburger Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Dort hielt er es nicht lange aus. »Die deutsche Polizei hat mich genauso behandelt wie die iranische«, berichtet Soltani von der Botschaftsbesetzung. Ihm fällt es schwer, das Erlebte zu verarbeiten. Alpträume plagen ihn. »Die Polzisten kommen jeden Tag«, sagt er. Die Polizei indes will sich zu laufenden Ermittlungen nicht äußern. Direkt nach der Botschaftsräumung waren drei Anzeigen gegen Beamte eingegangen. Biplab Basu von der »Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt« schätzt die Chancen einer Verurteilung gering ein. »Die Mehrheit der Verfahren wird noch vor dem Prozess eingestellt«, bedauert Basu.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

jetzt abonnieren!

Wie? Noch kein Abo?

Na, dann aber hopp!

Einfach mal ausprobieren: 14 Tage digital, auf Papier, als App oder was weiß ich!

Jetzt kostenlos testen