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Cup-Stacker versackt im Luftloch

Dennis Schleussner stellte über den Wolken einen Weltrekord im Becherstapeln auf

In 9,71 Sekunden stapelte Dennis Schleussner am vergangenen Freitag in einem Flugzeug in 10 000 Metern Höhe zwölf Becher in einer vorgegebenen Reihenfolge auf und ab und schaffte damit einen besonderen Weltrekord im »Cup Stacking«. Eine Woche zuvor wurde er mit einer spektakulären Jo-Jo-Show Wettkönig bei »Wetten das ...?«.

Wenn man Dennis Schleussner einen Überflieger nennt, stimmt das im übertragenen wie wörtlichen Sinn: Anfang November wurde er Wettkönig bei »Wetten das ...?«, indem er mit Hilfe eines Jo-Jos acht Promis die Tischdecken unterm Kaffeegeschirr wegzog, ohne das etwas umfiel. Nur fünf Tage später stellte er auf einem Flug von Dubai nach Frankfurt am Main in 10 000 Metern Höhe einen Weltrekord im Cup Stacking auf. Was gewissermaßen keine Kunst war, hatte sich doch bislang noch niemand in dieser luftigen Höhe in dieser Sportart versucht, bei der neun oder zwölf Becher so schnell wie möglich zu Pyramiden auf- und abgestapelt werden müssen.

Allerdings brauchte der 34-jährige Berliner zwei Anläufe für den Rekord, für den eine Zeit unter zehn Sekunden vorgeben war. Der erste versackte in einem Luftloch, höhere Gewalt sozusagen, weshalb Dennis eine zweite Chance bekam. Als alle zwölf Becher wieder vorschriftsmäßig übereinandergestapelt waren, zeigte die Stoppuhr 9,71 Sekunden an. Nicht nur die rund 80 Zuschauer waren begeistert, selbst der Akteur hatte wohl anfangs seine Zweifel gehabt, ob die Zeit in einem schaukelnden Flugzeug überhaupt machbar sei.

Cup Stacking, was man mit Becher stapeln übersetzen kann, ist eine noch sehr junge Sportart, die in den 1980er Jahren in den USA erfunden wurde. Erst 2004 fand sie ihren Weg nach Deutschland, inzwischen gibt es zahlreiche Vereine, die sich diesem Sport verschrieben haben. Man könnte es auch als Gehirnjogging bezeichnen, denn es fördert die Beidhändigkeit, die Auge-Hand-Koordination und die Reaktionsfähigkeit. Cup Stacking aktiviert und trainiert durch das abwechselnde Arbeiten mit der linken und der rechten Hand und durch das Überkreuzen der Gesichtsmitte beide Gehirnhälften. Dadurch werden zwischen ihnen neue Verknüpfungen gebildet und neue »Nervenstraßen« gebaut. Das wiederum ist hilfreich beim Erlernen neuer Fähigkeiten und Fertigkeiten wie beispielsweise eines Instruments. Auch bei Behinderten wird Cup Stacking erfolgreich als Therapie zur Schulung der Motorik eingesetzt.

Dennis Schleussner beschäftigt sich erst seit 2008 mit diesem Fingerfertigkeit erfordernden Sport. Um so beeindruckender die Erfolgsliste, die er in den knapp vier Jahren vorzeigen kann: Drei Mal Weltmeister, zwei Mal Europameister, acht Mal Deutscher Meister. Zwei Stunden täglich trainiert er, ähnlich ist es mit Jo-Jo - von nichts kommt eben nichts!

Manchmal trifft dieser Satz auch auf die Entdeckung eines ganz besonderen Talents zu. Denn wer weiß, ob Dennis Schleussner je von seiner Fingerfertigkeit erfahren hätte, wäre da nicht vor 17 Jahren ein Sportunfall gewesen, der ihn vier Monate im wahrsten Sinne aus dem Rennen nahm. Vor lauter Langeweile begann er sich mit Jo-Jo zu beschäftigen und brachte schon bald Erstaunliches zustande. Irgendwann zeigte er das Freunden und Bekannten, die derartig begeistert von dem waren, was sie da sahen, dass sie Dennis ermunterten, damit vor größerem Publikum aufzutreten. Das tat er immer öfter neben seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei »Pappnase & Co.« in Hamburg, einem Geschäft, bei dem es alles gibt, was Jongleure, Zauberkünstler und Artisten brauchen.

Gearbeitet hat er in seinem erlernten Beruf allerdings nur kurze Zeit, seit 2005 lebt er von seiner außergewöhnlichen Fingerfertigkeit. Er tritt in Varietés oder bei Familienfeiern auf, mal sind es nur 20 Zuschauer, es können aber auch zehn Millionen sein. Wie am 3. November, als genau so viel Menschen am Bildschirm mitverfolgten, wie Dennis auf seine sehr eigene Art Decken von den Tischen nahm. Dass er mit 68 Prozent aller Stimmen Wettkönig wurde, hat den sympathischen jungen Mann selbst ein bisschen verwundert. »Ich habe mich drei Monate lang mit intensivem Training auf den Auftritt vorbereitet, die letzten zwei Wochen konnte ich an fast nichts anderes mehr denken«, erzählt er gegenüber »nd«.

Und als es soweit war, sei er so aufgeregt wie nie in seinem Leben gewesen. Als dann noch ein Versuch danebenging und nur noch vier Sekunden Zeit blieben, um die Wette zu gewinnen, habe er an gar nichts mehr denken können. Riesig die Freude bei ihm, als es auf den letzten Drücker doch noch klappte. Auch seinem Wettpartner David Garrett fiel wohl ein Stein vom Herzen, denn für den Fall, der Jo-Jo-Artist hätte es nicht geschafft, hätte der Linkshänder ein Stück auf der Geige mit rechts spielen müssen.

Neben seinen Auftritten gibt Dennis Schleussner auch Seminare für Jedermann in Jo-Jo und Cup Stacking. Allerdings müssen sich Interessierte wohl erst einmal ein wenig gedulden, denn der spektakuläre Fernsehauftritt hat dafür gesorgt, dass es in seinem Terminkalender sehr eng wurde. Für den Rest des Jahres ist er ausgebucht.

Infos: www.dennis-schleussner.de

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