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Nicht aufdecken - nur kopieren

Neues Buch gibt Einblicke in das zwielichtige Verhältnis der Dopingmacher in DDR und BRD

Nicht nur in der DDR wurde von Staats wegen gedopt. Sondern auch im Westen. So lautet die These des Buches »Die Dopingrepublik«. Der Autor Klaus Blume, der sich seit fast einem halben Jahrhundert mit Korruption und Doping im Sport befasst, nimmt den Leser mit auf einen Parforceritt durch die Dopinggeschichte - mit starken und schwachen Passagen.

Blume wirft den Sportverbänden in Ost und West einen Hang zur Vertuschung vor. Dopingfälle wären »hüben wie drüben unter den Teppich gekehrt« worden. »In der Wendezeit passiert das dann sogar in deutsch-deutscher Zweisamkeit.« Eine der Schlüsselfiguren dabei sei Dopinganalytiker Manfred Donike gewesen. Der damalige Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln habe Blume einst angedeutet, dass der langjährige Chef des Bundesausschusses für Leistungssport, Helmut Meyer, interne Dopingkontrollen für westdeutsche Athleten vor Auslandseinsätzen gefordert habe. Diese sollten nicht im Ausland erwischt werden - ganz »nach DDR-Muster, denn das scheint wirklich zuverlässig zu sein«, so Donike.

Immer wenn der Autor über eigenen Erfahrungen berichtet, ist das Buch am stärksten. Blume erzählt über Gespräche mit dem Luxemburger Josy Barthel, Leichtathletik-Olympiasieger von 1952, der in den 70er Jahren offen über das geredet habe, »was wir heute als Doping anprangern würden«. Bekanntlich hat Barthel, der vom Freiburger Sportmediziner Herbert Reindell und dem Startrainer Woldemar Gerschler betreut wurde, damals mit dem Amphetamin Pervitin experimentiert.

Auch Willi Daume, einflussreichster Sportfunktionär in der alten Bundesrepublik, sei über die Dopingpraktiken im Osten stets informiert gewesen. »Daume wurde in vertraulichen BND-Infos stets brühwarm und aktuell ins Bild gesetzt.« Aber niemand habe dies öffentlich gemacht oder etwas dagegen unternommen. Warum, fragt Blume, »werden die schmutzigen Sachen von damals von Amts wegen noch immer unter Verschluss gehalten? Weil es den Westdeutschen nie darum gegangen ist, die von ihnen öffentlich als skrupellos bezeichneten Praktiken des DDR-Sports aufzudecken, offenzulegen oder gar zu verurteilen? Weil es ihnen stets darum gegangen war - und noch immer darum geht -, die Erkenntnisse der Experten aus Ostdeutschland in die eigene Praxis umzusetzen.«

Die These einer »perfekt funktionierenden Schattenwirtschaft«, gedeckt auch durch Vertreter des Bundesinnenministeriums, ist starker Tobak, wie auch andere gewagte Aussagen. Aber sie lassen sich leider nicht nachprüfen, da Blume die Literatur, die er benutzt, nicht anführt. Das ist die größte Schwäche dieses Buches.

Blume, Klaus: Die Dopingrepublik. Rotbuch, 288 S., brosch. 16,95 ¤.

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