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Rot-grüne Putztruppe

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Bei Rot-Grün ist eine neue Reinlichkeit ausgebrochen. Rückstandsfrei, erklärte dieser Tage SPD-Chef Sigmar Gabriel, wolle man nach der Bundestagswahl 2013 die Merkel-Regierung ablösen und entsorgen. Das gleiche Vokabular beim eben gekürten Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold hat sich auch schon so geäußert. Wahrscheinlich werden wir die Sprachregelung demnächst noch öfter hören.

Woher kommt dieser politische Waschzwang? Zunächst geht es um das gegenseitige Gelöbnis von Rot und Grün, nach der Wahl nicht fremdzugehen. Was aber albern ist: Große Koalitionen gab es schon, und was passiert, wenn es nicht für Rot-Grün reicht, wohl aber für Schwarz-Rot und für Schwarz-Grün, das möchten sich Sozialdemokraten und Grüne lieber nicht ausmalen. Erinnern darf man auch daran, wie der Übergang von Schwarz-Gelb unter Helmut Kohl zu Rot-Grün unter Gerhard Schröder seinerzeit verlief. Man werde nicht alles anders, aber vieles besser machen, kündigte Schröder 1998 an. Leider machte man dann vieles schlechter: Hartz-Gesetze, Afghanistan-Krieg, Gesundheitsreform usw.

Etliche derjenigen, die damals bei Rot-Grün führend dabei waren, sitzen jetzt wieder/immer noch in führenden Positionen. Sie müssten schon komplett mit der eigenen Vergangenheit brechen, wollten sie jetzt alles „rückstandslos entsorgen". Denn vieles, was Schwarz-Gelb anzulasten ist, baut auf der Zeit von Rot-Grün und Schwarz-Rot auf.

Die Rhetorik von Gabriel, Trittin und anderen soll entschlossen wirken und klingt, als wollten sie nach der Wahl die Kammerjäger rufen, die erst einmal alles desinfizieren und ausräuchern. Vielleicht fragen sie mal ihren alten Kumpel Joschka Fischer, der inzwischen als hoch bezahlter Vortragsreisender und Wirtschaftslobbyist durch die Welt düst. Fischer gehörte in den frühen 70ern in Frankfurt am Main zu einer „Putztruppe", die sich Prügeleien mit der Polizei lieferte. Fischer wurde dann der Übervater der Grünen und ein Architekt von Rot-Grün. Seine früheren Überzeugungen hat er längst rückstandsfrei entsorgt. Fischer könnte den heutigen Rot-Grün-Protagonisten erzählen, wie man mit Anti-CDU-Rhetorik in die Regierung kommt, um dann manches anders, manches besser und etliches schlechter zu machen. Aber das wissen Gabriel und Tritten eigentlich auch selber.

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