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Verständliche Einser-Inflation

Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann

Es ist wahrlich keine neue Erkenntnis, dass die Examens-Noten an deutschen Universitäten überwiegend »gut« oder »sehr gut« lauten. Die Kritik des Wissenschaftsrats an den angeblichen »Kuschelzensuren« ist ebenfalls nicht neu. Was kaum erwähnt und schon gar nicht diskutiert wird, ist die Ursache, die hinter dieser »Einser-Inflation« steht. Schon in Vor-Bologna-Zeiten war es so, dass der eigentliche Selektionsprozess, der über künftige berufliche Lebenswege entschied, nicht am Ende des Studiums per Examensnote erfolgte. Die Auswahl geschah in vielen Fächern während des Studiums ungesteuert und ohne klare Kriterien; von 100 Studienanfängern hielten manchmal nur 20 bis zum Studienende durch, und viele der »Aussteiger« scheiterten nicht an schlechten Leistungen, sondern kapitulierten vor dem anonymen Massenbetrieb.

Man mag das wie der Wissenschaftsrat beklagen, muss dann aber auch Vorschläge machen, wie dies geändert werden kann. Eine durchaus akzeptable Möglichkeit wäre, den Einstieg ins Studium stärker als bisher nach der individuellen Befähigung der Studierenden zu gestalten. In Finnland etwa stehen vor der Aufnahme eines Lehrer-Studiums Aufnahmetests, Praktika in der Anfangsphase des Studiums sind Pflicht. In dieser Lebensphase sind Wechsel in andere Berufswege noch leicht möglich und, man muss es deutlich hinzufügen: psychisch auch leicht noch zu verkraften.

Es ist in Deutschland keinem Professor zu verdenken, einem Prüfungskandidaten ein »Gut« ins Abschlusszeugnis zu schreiben, obwohl die gezeigten Leistungen allenfalls mittelmäßig sind. Mit Ende 20 oder gar Anfang 30 ist eine berufliche Neuorientierung äußerst schwierig.


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