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Ostmoderne weit im Westen - in Frankreich zu sehen

Museum Dieselkraftwerk Cottbus wendet sich seiner Sammlung von Gemälden, Fotos und Plakaten aus der DDR zu

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Lediglich 10 000 Euro pro Jahr für Ankäufe und ganze 100 Euro für Restaurierungen stehen dem Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk (dkw) zur Verfügung. Ulrike Kremeier, seit vier Monaten neue dkw-Chefin, musste selbst lachen und gleich erklären, sie mache keine schlechten Scherze, als sie das gestern erzählte. »Brandenburg ist nicht reich und Cottbus ist nicht reich. Alles Jammern hilft nicht und es gibt keinen Schuldigen«, betonte Kremeier. Man müsse sehen, wie man mit den vorhandenen Mitteln erst einmal auskommt.

80 000 Euro sind übrig für das Programm des kommenden Jahres. Andere Kunstmuseen wenden 50 000 bis 60 000 Euro pro Ausstellung auf, Kremeier und ihre acht Kollegen wollen für wenig mehr gleich ein Dutzend Ausstellungen machen. Das Haus werde sich dabei mehr seiner Sammlung zuwenden, kündigte Kremeier an. Im Besitz des Museums befinden sich vor allem Gemälde, Fotos und Plakate aus dem 20. Jahrhundert, der größte Teil davon aus der DDR. Kremeier sprach von einer Verantwortung für die Geschichte.

Rund 100 ausgewählte Werke der Ostmoderne aus den Jahren 1952 bis 1989 werden vom 22. März bis zum 31. Mai gezeigt - allerdings nicht im Dieselkraftwerk, sondern in der Kunsthalle Passerelle im französischen Brest. Kremeier war dort sechs Jahre Direktorin, bevor sie die Stelle in Cottbus annahm. Die Ostmoderne sei nicht postmodern gewesen, habe sich stattdessen der Tradition der klassischen Moderne verpflichtet, heißt es. Das sei einzigartig. Im dkw selbst sind vom 8. Februar bis zum 31. März Porträts aus der Sammlung des Museums zu sehen: Bildnisse des Spätexpressionisten Carl Lohse und aus der DDR.

Eine zweite Schau, die ebenfalls am 8. Februar eröffnet werden soll, zeigt Fotografien des Duos Clegg & Guttmann. Die beiden Künstler lichten echte Manager ab oder inszenieren mit einem Darsteller einen angeblichen Boss der Stahlindustrie. Echt sind zum Beispiel die abgelichteten Vorstände der Deutschen Bank, denen es freigestellt war, ob sie die Auftragswerke annehmen und bezahlen oder ablehnen, wenn sie mit ihrer Darstellung nicht zufrieden sind. Clegg & Guttmann haben sich aber das Recht gesichert, abgelehnte Porträts auszustellen, erklärte Kunsthistorikerin Kremeier.

Für eine Ausstellung von Plakaten Frieder Grindlers (5.7. bis 8.9.) kann das Museum auf seine Bestände zurückgreifen. Der Künstler schenkte ihm in diesem Jahr 200 Plakate, weitere waren hier schon vorhanden. Grindler hat sich die Fotomontagen John Heartfields zum Vorbild genommen und politisch engagierte Plakate geschaffen, so »Der Fluch der verhungernden Klasse« (1980) und »Keine Atomraketen - Krefelder Appell« (1981). Das erste zeigt das unrasierte Gesicht eines alten Arbeiters mit geschlossenem Mund in Schwarz-Weiß und davor gesetzt in Farbe einen zum Schrei geöffneten Mund. Am »Krefeder Appell« schockiert der riesige Schatten einer Rakete.

Das Kunstmuseum kümmert sich rührend um pädagogische Angebote. Das beweist es einmal mehr mit der Ausstellung »Ihr könnt euch niemals sicher sein« (30.8 bis 6.10.), die sich dem Thema Jugend zuwendet. Vorgestellt werden Talente der Berliner Ostkreuzschule für Fotografie wie Kevin Fuchs und ihre Lehrer: Ute und Werner Mahler. Die jungen Fotografen werden zu Workshops an eine Cottbuser Schule kommen. So will das dkw am Ende Jugendliche nicht nur zum Gegenstand machen, sondern ins Haus locken. »Mit Zwangsbeglückung kommt man in der Kunst nicht weiter«, meint Kremeier zu wissen. Wie zum Beweis, dass solche Konzepte aufgehen, tummelte sich am Donnerstagvormittag eine fröhliche Schülerschar in den Ausstellungsräumen.

Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, Am Amtsteich 15, Tel.: (0355) 49 49 40 40, museum-dkw.de, geöffnet Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

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