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Orte der Arbeit, Orte der Krisen

Lübecker Schau zeigt Künstler-Refugien

  • Von Lutz Gallinat, Lübeck
  • Lesedauer: 2 Min.
Wo hatten berühmte Künstler ihre besten Einfälle? Wohin zogen sie sich zurück, wenn sie Ruhe suchten? Das Günter Grass-Haus in Lübeck zeigt Zufluchtsorte namhafter Persönlichkeiten.

Die Fotografin Angelika Fischer dokumentiert seit 2002 Lebensorte berühmter Persönlichkeiten. Sie suchte unter anderem Ateliers und Wohnungen von Otto Dix, Annette von Droste-Hülshoff, Ger-hart Hauptmann, Thomas Mann, Walter Kempowski oder Edvard Munch auf und fing mit klassischen Schwarz-Weiß-Bildern die Atmosphäre ein, die oft noch Jahrzehnte nach dem Tod des Künstlers in den Räumen spürbar ist. Sie ermöglicht damit einen individuellen Zugang zu Leben und Werk ganz verschiedener Künstlercharaktere. Derzeit werden Arbeiten Fischers im Günter Grass-Haus in Lübeck gezeigt.

»Wir freuen uns sehr, diese interessante Ausstellung zeigen zu können«, erklärte der Leiter des Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. Wieder einmal widme sich das Haus damit auch dem Thema Doppelbegabungen. So zeigt die Schau Lebensorte von Hermann Hesse, Alfred Kubin, Ernst Barlach, Arno Schmidt, Wilhelm Busch oder Johann Wolfgang Goethe - alle als Doppelbegabungen bekannt. Angelika Fischer bekennt, dass sie begeistert ist von der Ausstrahlung kreativer Persönlichkeiten. Ihre Häuser, Ateliers und Arbeitsräume berichten auf besondere Art von der mühevollen Arbeit, der Selbstisolation und den persönlichen Krisen, die hinter den Werken der Künstler zu entdecken sind.

Am Schreibtisch des Schriftstellers Arno Schmidt in Bargfeld zum Beispiel ist noch immer dessen unverzichtbare Handbibliothek zu sehen. Die schweren Hornbrillen mit den dicken Gläsern verweisen auf seine Kurzsichtigkeit. Die Käferkästen Ernst Jüngers und seine zahlreichen Naturpräparate lassen den besessenen Sammler und Naturforscher erkennen. Der Zeichner Alfred Kubin transformierte sein morbides Schlösschen in Zwick-ledt schon zu Lebzeiten in einen Traumort, der seinen bizarren Bildschöpfungen entnommen zu sein scheint. Und Karl May, der erfolgreichste »Reiseschriftsteller« des 19. Jahrhunderts, wähnte sich am Ziel, als er 1896 seine »Villa Shatterhand« in Radebeul bei Dresden bezog.

Im Jahr 2002 entschied sich Angelika Fischer dafür, gemeinsam mit Bernd Erhard Fischer ihre Fotografien in einer eigenen, bibliophil gestalteten Heftreihe zu veröffentlichen, die im Shop des Grass-Hauses erhältlich ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Januar 2013 zu sehen.

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