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Erwünschte und Unerwünschte

Doppelte Standards beim Umgang mit Ausländern - das Beispiel Bayern

  • Von Rudolf Stumberger, München
  • Lesedauer: 3 Min.
Bayern versucht mit mehreren Programmen, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen oder im Land zu halten. Dass dies im krassen Widerspruch zur Behandlung von bereits in Bayern befindlichen Migranten, zur bayerischen Asylpraxis steht, kümmert scheinbar niemanden.

»Schau ma moi«, das ist bayerischer Dialekt und heißt auf hochdeutsch soviel wie »Mal sehen, was kommt«. Und ob sie kommen, die begehrten Fachkräfte, das ist die zentrale Frage zweier neuer Regierungsprogramme, mit denen Ingenieure aus dem Ausland nach Bayern gelockt werden sollen. Der bayerische Sprachführer ist dabei nur ein kleiner Teil des Internetportals »Work in Bavaria«, mit dem der Freistaat sich als lebenswerte Region für ausländische Arbeitskräfte und auch für Rückkehrer darstellt.

Die Ziele des Programmes sind hoch gesteckt, will man doch immerhin die »besten Köpfe und größten Talente aus aller Welt« in den Freistaat holen oder rechtzeitig an bayerische Unternehmen binden. Geworben wird mit einer »besonderen bayerischen Leichtigkeit« der Lebensart, in der sich »Gemütlichkeit und wirtschaftliche Spitzenleistung, Eigensinn und Toleranz« verbänden, mit einem Lebensgefühl von »Weltoffenheit und Toleranz«, wodurch in Bayern »Menschen unterschiedlichster Ethnie und Religionszugehörigkeit friedlich zusammenleben«, mit bayerischer Küche (Weißwürste) und nicht zuletzt mit dem Oktoberfest.

Was für ein Unterschied zwischen den »Erwünschten« und den »Unerwünschten«. Was für ein Unterschied zur Welt der Asylbewerber in Bayern, deren Unterkünfte darauf ausgelegt sind, gerade keinen »Anreiz« zum Verbleib zu geben. Die dort Untergebrachten unterliegen der Residenzpflicht, dürfen sich also nicht frei bewegen. Und arbeiten dürfen die Asylbewerber auch nicht.

Demgegenüber geht es bei den Rekrutierungsprogrammen für die »Erwünschten« auch um handfeste Hilfestellungen, um Informationen über Arbeits- und Aufenthaltsrecht, um die Anerkennung von Abschlüssen und um Sprach- und Integrationskurse. Bei der konkreten Jobsuche wird auf die Plattform für Stellenangebote in Bayern verwiesen.

Neben dieser Werbeaktion geht es dem Wirtschaftsministerium auch um das Zurückholen von Akademikern und Fachkräften aus dem Ausland, auch sie sollen sich für einen Job in Bayern entscheiden. Dazu dient eine Partnerschaft mit der »German Scholars Organisation«. Das ist nach eigenen Angaben ein unabhängiger und gemeinnütziger Verein, der 2003 von deutschen Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern gegründet wurde, um deutsche Akademiker, die im Ausland leben und arbeiten, für eine Tätigkeit in Deutschland zurückzugewinnen.

Der Verein wird am 1. Januar 2013 am zentralen Münchner Marienplatz ein Büro eröffnen, an das sich bayerische beziehungsweise deutsche Fachkräfte aus aller Welt wenden können. »Study and stay in Bavaria« nennt sich schließlich eine weitere Initiative mit dem Ziel, ausländische und deutsche Studenten an bayerischen Universitäten und Hochschulen durch gezielte Ansprache dazu zu bewegen, in Bayern zu bleiben und hier für ein Unternehmen zu arbeiten.

Das regierungsamtliche Vermittlungs- und Rückholprogramm ist zunächst auf zwei Jahre angesetzt. Dann wird geprüft, ob es erfolgreich war.

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