Kopf-an-Kopf-Rennen in Sierra Leone

Präsident Ernest Bai Koroma hat in Julius Maada Bio einen ernsthaften Herausforderer

  • Von Markus Schönherr, Kapstadt
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Überschattet von Korruptionsvorwürfen gegen Regierungsmitglieder finden in Sierra Leone heute Wahlen statt. Es ist die dritte Abstimmung seit Ende des Bürgerkriegs. Bei der Präsidentenwahl wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Ernest Bai Koroma und Herausforderer Julius Maada Bio erwartet.

Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen und Straßenkinder sind in Freetown unübersehbar. Auch zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg in Sierra Leone sind die Gräuel von damals allgegenwärtig. In diesem Szenario finden in dem Land im Westen Afrikas die dritten freien Wahlen nach dem Krieg statt, bei dem 1991 bis 2002 etwa 75 000 Menschen getötet wurden.

2007 hatte der All People’s Congress (APC) die Sierra Leone People’s Party (SLPP) nach 21 Jahren an der Regierung abgelöst. Präsident Ernest Koroma hat dem Staat seitdem relative Stabilität gebracht. Wie fragil die ist, zeigen Berichte von neuer Gewalt.

»Das Erbe des Krieges ist immer noch erkennbar, überall im Alltag«, sagt Thomas Cargill, Afrikanologe bei der Organisation Chatham House, »von Baugerippen im ganzen Land bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen.« Die Regierung erzielte in den vergangenen Jahren zwar Erfolge in Landwirtschaft und Infrastruktur, in der Hauptstadt Freetown sollen 20...


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