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Israelische Fehlkalkulationen

Rückhalt in der Bevölkerung für Gaza-Politik der Regierung hinter deren Erwartungen

  • Von Oliver Eberhardt, Jerusalem
  • Lesedauer: 2 Min.
Im Nahen Osten stehen die Zeichen auf Krieg. Doch die in Israel in solchen Situationen eigentlich übliche Unterstützung für den Kurs der Regierung bleibt weitgehend aus. Misstrauisch beobachten Bevölkerung und Medien die Entwicklungen. Denn die Erinnerung an die Verfehlungen der Politik im Libanon-Krieg 2006 sind noch frisch.

Die Nervosität steigt. Der Kollege in Tel Aviv berichtet gerade von einer Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums am Vorabend, als im Hintergrund, tief, drohend, alles durchdringend, die Sirene ertönt. »Wo ist denn der nächste Luftschutzraum?«, fragt er jemanden. »Keine Ahnung; den suche ich auch«, dringt die hektisch-angespannte Antwort durch den Hörer. Dann ist ein lautes Knallen, metallisch-knirschend, zu hören. Ein Einschlag?

»Kein Einschlag«, sagt ein Sprecher des Militärs einige Minuten später. Ob er's sagen würde, wenn's einer gewesen wäre? Er zögert. »Nicht, wenn ich nicht müsste«, sagt er dann.

Das, was die Einwohner Tel Avivs nun erleben, hatte Verteidigungsminister Ehud Barak in seiner Pressekonferenz am Donnerstag erklärt, sei das, was eine Million Menschen »seit Jahren Tag für Tag durchmachen«. Kurz zuvor hatte es die ersten beiden Luftalarme in der israelischen Wirtschaftsmetropole seit dem Golfkrieg 1991 gegeben.

Doch die in Krisenzeiten sonst übliche Unterstützung für den Kurs der Regierung ist weitgehend ausgeblieben; immer wieder wird in den Medien die Frage bearbeitet, was denn nun das Ziel dieses Krieges ist und immer öfter wird dabei auch angemerkt, dass bei den Planungen ganz offensichtlich einige Dinge übersehen worden sind: dass mit der Tötung Ahmed Jabaris, dem Oberbefehlshaber der Hamas im Gaza-Streifen, ausgerechnet derjenige ausgeschaltet wurde, der jüngst für die Durchsetzung von Waffenstillständen gesorgt hat. Und dass anscheinend niemand einberechnet hat, dass Ägyptens Regierung, die bislang diese Waffenruhen ausgehandelt hat, diese Vermittlerrolle nun aufgeben könnte. Aber noch viel mehr als all dies: dass die Raketen auch Tel Aviv erreichen können.

Ein Krieg wie dieser werde in Tel Aviv verloren, so ein Analyst des Fernsehsenders Kanal Zehn am Freitagmittag. Denn der Raketenbeschuss sei das Szenario, vor dem beispielsweise Ex-Mossad-Chef Meir Dagan warnt: Dauerten die Angriffe länger als ein paar Tage an, könne dies das öffentliche Leben im Großraum Tel Aviv zum Erliegen bringen und damit auch nahezu die gesamte israelische Wirtschaft. Im Radius der Raketen seien der internationale Flughafen Ben Gurion, die Börse, ein Großteil der Häfen und eine Vielzahl von internationalen und nationalen Großunternehmen ansässig. Und: Millionen von Menschen, für die sich Krieg seit Jahrzehnten nur in der Ferne abgespielt hat, und die sehr oft nicht einmal wissen, wo der nächste Bunker ist.

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