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Parfüm unter der Lupe

Wissenschaftler warnen vor Allergien durch die verwendeten Duftstoffe

  • Von Klaus J. Schwehn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Parfüm, sagen die Forscher, ist fast so alt wie die Menschheit. Denn die frühesten Aufzeichnungen über die Herstellung wohlriechender Düfte stammen aus dem Jahr 7000 vor unserer Zeit. In Mesopotamien und etwa zeitgleich in Ägypten nutzten Priester Düfte zur Ehrung der Götter und Essenzen zur Einbalsamierung der Körper von Pharaonen. Später, in der Antike, umgab jene eine mystische Aura, die es verstanden, sich mit betörenden Düften zu umgeben. So heißt es, Kleopatra habe sich der Düfte derart reichlich bedient, dass sogar der Wind von ihr verzaubert wurde. Damit nun allerdings käme sie heutzutage womöglich auf Kollisionskurs mit der Europäischen Union.

Nicht, weil die Brüsseler Behörden etwas dagegen hätten, wenn jemand anfinge, den Wind verzaubern zu wollen. Es geht um die Essenzen in den Parfüms, deren Grundsubstanzen bereits von den Phöniziern, ein erfolgreiches Seefahrervolk, im gesamten Mittelmeerraum verbreitet worden waren. Die Kreuzritter später brachten ebenfalls wertvolle Elixiere nach Europa mit. Und einiges davon, was man unter den Wohlgerüchen Arabiens versteht - womit nicht der Knoblauch gemeint ist - ist nunmehr nach Ansicht des Wissenschaftlichen Beratungskomitees der Europäischen Union eine Gefahr für den Menschen. Diese Wissenschaftler haben gängige, hochwertige, beliebte Parfüms unter die Lupe genommen und sind zu dem Schluss gekommen, die zur Produktion eingesetzten Duftstoffe könnten Allergien auslösen.

Hochwertige Parfüms am Pranger

Für viele, nicht nur für die betroffene Industrie, ist es »ein Kreuzzug der EU« gegen verschiedene Duftstoffe, ob es nun Moschus, Citronella, Mandarine, Jasmin oder Bergamotte ist. Solche Substanzen, EU-Entscheidungen werden zum Frühjahr 2014 erwartet, sollen dann auf unter 0,01 Prozent des Parfümvolumens gedrückt und somit im Duft flüchtig werden. Betroffen wären nicht allein neue und aufdringliche 0-8-15-Düfte, von denen sich jährlich im Schnitt rund 97 Prozent gar nicht durchsetzen können, sondern Qualitätserzeugnisse wie Chanel N.5, Miss Dior, Angel (Thierry Mugler), Shamilar (Guerlain), Cool Water (Davidoff) oder Brut (Fabergé). Dabei sagen die Wissenschaftler des Scientific Committee on Cosumer Safety, am gefährlichsten seien die beiden Produkte Chanel und Miss Dior - und sie meinen damit nicht die von diesen Duftnoten ausgehenden möglichen Verführungen.

Louis XV am »Hof des Parfüms«

Schon seit 15 Jahren laufen entsprechende Untersuchungen. So sind seit 1997 in der Europäischen Union 26 Duftstoffe als potenziell Allergie auslösend eingestuft worden. Von solchen Allergien könnten unter Umständen, drei Prozent der Duftstoffnutzer betroffen sein. Diese »allergenen Duftstoffe« dürfen bislang zwar in kosmetischen Produkten enthalten sein, müssen aber einzeln benannt werden. Und weil schon vieles reglementiert ist, sind sie bei der »Internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe« zu registrieren.

Madame Pompadour wäre wohl von solchen Warnungen unbeeindruckt geblieben. Es heißt, sie habe sich in Parfümwolken gehüllt und Unmengen dafür ausgegeben, um die Gunst ihres Königs zu erhalten. In Versailles wurde der Hof von König Louis XV auch »Hof des Parfüms« genannt.

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