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Findiges Findelkind

»Jim Knopf« im Theater am Kudamm

Der Andrang nach Lummerland war beeindruckend. Gefühlte zweihundert Meter lang war die Schlange von frierenden Kindern, die mit ihren quengelnden Eltern im Schlepptau am Wochenende zur Premiere von »Jim Knopf« drängten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, dass die entzückende, mit Fantasie, Abenteuern und Wendungen fast schon überfrachtete Geschichte von Michael Ende noch immer die Herzen rührt - im Theater am Kudamm wurde er erbracht.

Man muss für die erhaltene Gültigkeit der Geschichte aber nicht nur dem Autoren danken. Denn gäbe es nicht die zauberhafte »Jim-Knopf«-Version der Augsburger Puppenkiste, hätte Babelsberg die schöne Vorlage wahrscheinlich längst ähnlich verkitscht und durch Fortsetzungen verflacht, wie es mit Endes »Unendlicher Geschichte« geschah.

Am Kudamm hat nun Christian Berg die Erzählung vom schwarzen und findigen Findelkind, das mit dem väterlichen Freund Lukas und dessen Lokomotive Emma die Heimat Lummerland für eine unerhörte Odyssee verlässt, zum Musical verarbeitet. Die schmissigen Songs stammen aus der Feder von Konstantin Wecker. Die beiden Routiniers haben zwar keinen Meilenstein geschaffen. Die radikal gekürzte Version von immer noch über 90 Minuten Länge reißt aber mit und die Kleinen geradezu von den Sitzen. Einzig am Sound, der beim Sprechen unangenehm schrill, beim Singen aber zu leise war, sollte unbedingt gearbeitet werden.

Sollten die eifrigen Kollegen von der Initiative »Bühnenwatch« schon die Bleistifte spitzen: Nein, bei dieser Inszenierung wird kein »Blackfacing« - weiße Schauspieler, die geschminkt Schwarze darstellen - betrieben. Die Rolle des Jim wird fidel und jungenhaft von der ganz natürlich dunkelhäutigen Lara de Toscano verkörpert. Aber hat nicht Klaus Lawrenz als Lokomotivführer Lukas verdächtig viel schwarzen Ruß im Gesicht ...?

Das ganze Ensemble spielt einwandfrei und kindgerecht, einige noch holperige Abläufe werden sich beim Spielbetrieb sicherlich von selber glätten. Auf die Witze für Erwachsene sollte aber lieber verzichtet werden.

Wieder am 24., 25.11. und 1., 4., 6., 8.12., diverse Zeiten, Theater am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206-209, Tel.: 88 59 11 88

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