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Zitronenblütenträume

»Love Is All You Need« von Susanne Bier

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Ausgangssituation dieses Films ist ähnlich wie beim weltweit rasend erfolgreichen Abba-Musical-Film »Mamma Mia!« vor vier Jahren: Eine Hochzeit steht an, und sie soll an warmen Mittelmeerstränden gefeiert werden. Diesmal wohnt nicht die Brautmutter im sonnigen Griechenland, sondern es ist der Vater des Bräutigams, der an der Küste von Amalfi neben ein paar Zitronenplantagen auch die zugehörige, etwas angestaubte Villa besitzt, in der gefeiert werden soll.

Ex-Bond Pierce Brosnan mimt den erfolgreichen, im Berufs- und privaten Umfeld umschwärmten Südfrüchte-Importeur großen Stils und weltläufigen Vater des Bräutigams mit ungeduldiger Perfektion inmitten der kühlen Leere eines modernen Hightech-Büros. Als sein Gegenpart gibt die Dänin Trine Dyrholm die verhuschte, noch unter Schock stehende, weil ganz frisch getrennt lebende Ehefrau und Brautmutter im lebensfreundlich warmfarbigen Einfamilienhäuschen mit viel zerbrechlich-angeknackster Würde.

Dass ihr Mann, den sie eben erst mit seiner solariengebräunten Kollegin ausgerechnet auf dem heimischen Sofa erwischte (und prompt rauswarf), nun schon ganz selbstverständlich mit seiner Freundin im Schlepptau zur Hochzeit seiner Tochter anreist, dass der hübsche junge Bräutigam sich besser mit dem vorlauten Sohn des örtlichen Hausmeisters zu verstehen scheint als mit seiner lieblich blondgelockten Braut, dass die trinkfreudige (und mit Paprika Steen auch prominent besetzte) Schwägerin des Geschäftsmanns seit dem Tod ihrer Schwester darauf lauert, jetzt vielleicht endlich den trauernden Witwer trösten zu dürfen, und die Brautmutter auf eine Diagnose wartet, die alles oder nichts bedeuten könnte - das alles fügt sich auf der Leinwand zu einem bittersüßen, aber selten mehr als angenehm prickelnden Zitrusfrucht-Cocktail.

Damit ist »Love Is All You Need« ein ungewohnt milder Film für eine Regisseurin wie Susanne Bier, die vor gewichtigeren Themen gemeinhin nicht zurückschreckt. In »Brothers - Zwischen Brüdern« hatte sie den Afghanistan-Krieg und seine Folgen auf die Familie eines erst vermissten, dann schuldbeladen und schwer traumatisiert wieder heimgekehrten Soldaten betrachtet, in »Nach der Hochzeit« die Bemühungen eines Patriarchen um die Neuordnung seiner familiären Verhältnisse über seinen Krebstod hinaus. »In einer besseren Welt« handelte von plötzlich hereinbrechender Gewalt und wie man ihr begegnet, ohne selbst schuldig zu werden, und in »Open Hearts« führte ein vermeidbarer Autounfall zur Lähmung des Unfallopfers und zu emotionalem Chaos unter allen Beteiligten. »Love is All You Need« dagegen verhandelt (zumindest vordergründig) wenig mehr als die Vorbereitungen zu einer Hochzeit.

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